Treffen von Albright und Barak

28. Juni 2000, 10:30

Ein Berater Arafats sagte, ein Dreiergipfel mit dem Palästinenser-Präsidenten sei zum jetzigen Zeitpunkt reine Zeitverschwendung.

Jerusalem - US-Außenministerin Madeleine Albright ist am Dienstagabend mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak zusammengekommen, um die Möglichkeiten eines Nahost-Gipfels auszuloten. An dem geplanten Dreiergipfel sollen neben Barak auch Palästinenser-Präsident Yasser Arafat und US-Präsident Bill Clinton teilnehmen. Ein Berater Arafats sagte, der Gipfel sei zum jetzigen Zeitpunkt reine Zeitverschwendung, sollten die Gespräche mit Israel nicht vorher Fortschritte machen. Der Dreiergipfel soll nach dem Vorbild der Camp-David-Gespräche einen Durchbruch in den stockenden Friedensprozess bringen.

Albright und Barak gaben vor ihrem Treffen keine Stellungnahme ab. Arafats Berater sagte, der Palästinenser-Präsident sei nicht generell gegen einen Gipfel. Er vertrete aber die Meinung, dass israelische und palästinensische Unterhändler zunächst eine gemeinsame Basis finden müssten, bevor auf einem Gipfeltreffen Differenzen beseitigt und Entscheidungen getroffen werden könnten.

Widerstand

Israel dringt wie die USA auf den Nahost-Gipfel, stößt bei den Palästinensern jedoch auf Ablehnung. Aus Palästinenserkreisen verlautete, Arafat wolle zuvor Zusagen von Israel, dass es die wichtigsten Forderungen der Palästinenser erfülle. Albright hatte nach dem Gespräch mit Barak für Mittwoch ein Treffen mit Arafat geplant.

Israel und die Palästinenser verhandeln über ein endgültiges Friedensabkommen, das bis zum 13. September unter Dach und Fach sein soll. Streitpunkte sind vor allem die Zukunft der jüdischen Siedlungen in den von Israel besetzten Gebieten sowie das von Arafat geforderte Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge. Zudem ist der künftige Status Jerusalems strittig. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil der Stadt als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates, während die Regierung Barak darauf beharrt, dass Jerusalem die ungeteilte Hauptstadt Israel bleiben müsse.

Unklar ist auch noch, wieviel Fläche des Westjordanlandes die Palästinenser erhalten sollen. Einige Regierungsvertreter in Israel haben von 92 Prozent gesprochen. Arafat verlangt 100 Prozent. Er will in den Gebieten spätestens im Herbst einen Palästinenserstaat ausrufen - egal, ob bis dahin eine Einigung mit Israel erreicht wurde. (APA/Reuters)

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