"Das ist es, wozu sich der Computer entwickelt hat"

15. Juni 2007, 13:24
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Mit seinem neuen N95, einem "Handy" mit integriertem GPS, Fünf-Megapixel-Kamera und Breitband-Internet, feilt Nokia weiter an der Kategorie des "Multimediacomputers"

In gesättigten Märkten wie Österreich ist Wachstum mit Handys kaum noch zu erzielen - es sei denn, aus dem zum Gebrauchsgegenstand verkommenen Handy wird etwas aufregend Neues.

"Multimediacomputer"

Diesen Weg geht der finnische Hersteller Nokia seit wenigen Monaten mit seinen "Multimediacomputer", wie Anssi Vanjoki, Nokias Multimediachef, die in der N-Serie versammelten Handys inzwischen tituliert. In New York stellte Nokia das N95 als neues Flaggschiff dieser Mutation zum medialen Allroundgerät vor.

"Das ist es, wozu sich der Computer entwickelt hat", schwärmt Vanjoki von der neuesten Kreation des finnischen Herstellers, die im ersten Kalenderviertel 2007 um rund 550 Euro auf den Markt kommen wird.

Talente

Die Talente des Nokia N95 sind beeindruckend: Erstmals ist ein GPS-System zur Standortbestimmung integriert; das ermöglicht geografische Dienste wie Routenplanung bis zur Standortinformation (etwa als Stadtführer hier in New York).

iPod Nano-Konkurrenz

Als erstes Mobiltelefon am Markt bietet das N95 nunmehr eine Kamera mit Zeiss-Optik und fünf Megapixel Auflösung - derzeit sind drei Megapixel das obere Ende - sowie eine Camcorder-Funktion, deren Aufnahmen an DVD-Qualität heranreichen. Bis zu zwei Gigabyte Musik macht Apples iPod Nano und anderen Playern Konkurrenz.

Funktechnik

Dazu kommen Funktechniken für Breitband-Internet: einerseits die beschleunigte Datentechnik für das UMTS-Netz (HSDPA, High Speed Download Packet Access), andererseits WiFi (Wireless Fidelity) für den Zugang zu drahtlosen Internet-Hotspots.

Querformat - wie ein Fotoapparat

Zunehmend, zeigt Vanjoki vor, wird das Handy aufgrund seiner Medienfunktion nicht mehr hochformatig wie einst, sondern als Querformat wie ein Fotoapparat, Videospieler und Internetgerät verwendet. Ein neuartiger Schiebemechanismus gibt auf beiden Seiten des Geräts Tasten frei: rechts "normale" Telefontasten, links Abspielknöpfe für Musik und Video. Und als Kamera wird es wie eine Kamera bedient, Zoom- und Auslöser oben, Bildkomposition über das Display.

Konvergenz

"Wir bieten die Konvergenz unterschiedlicher digitaler Geräte, ohne dass die Qualität der einzelnen Teile schwächer als die spezialisierten Geräte ist", sieht Vanjoki die Zeit gekommen, dass Kameras, Musikgeräte und mobiles Internet zusammenwachsen.

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Das stimmt, allerdings bedingt: Denn auch bei Digitalkameras und Musikplayern ist die Entwicklung nicht stehen geblieben und jedes dieser Geräte für sich hat Leistungsmerkmalen, die Handys weiterhin überlegen sind. Dafür bringt die Integration der einzelnen Komponenten neuen Nutzen, etwa Fotos automatisch mit exakter Ortsangabe dank des GPS-Systems auszustatten oder sie per Mobiltelefon zu Internet-Fotoalben wie auf Flickr zusammenzustellen.

Zehn Millionen Geräte hat Nokia nach eigenen Angaben von dieser Gerätekategorie im heurigen Jahr bisher verkauft, und es ist dies das am stärksten wachsende Segment, sagt Nokia-Vizepräsident Jyrki Salminen gegenüber dem Standard.

Faktoren

"Drei Faktoren bestimmen das Wachstum: Erstens, dass es entsprechende Geräte gibt - das N95 legt die Latte hoch. Zweitens braucht es Daten-Pauschaltarife, damit sich die Leute die Benutzung auch leisten können. Und drittens natürlich Content, aber der folgt, sobald die beiden ersten Bedingungen stimmen", ist der Multimediachef überzeugt."

Österreich weit

Österreich sei als erstes Land mit Datenpauschaltarifen relativ weit, und er erwartet, dass die Annahme der neuen "Multimediacomputer" an der europäischen Spitze liegt. "Wir sind bei dieser Entwicklung erst am Anfang so wie in den 90er-Jahren mit dem Handy selbst." ( Helmut Spudich aus New York, DER STANDARD Printausgabe, 28. 09. 2006)

  • Artikelbild
    foto: nokia
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