"Listen in, find your place"

5. Oktober 2006, 23:05
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Rarer Glücksfall: James Luther Dickinsons "Jungle Jim And The Voodoo Tiger"

Was Bob Dylan mit seinem neuen Album Modern Times nicht wirklich eingelöst hat, gelingt dem immer wieder durch diese Seiten geisternden Jim Dickinson auf seinem dritten Soloalbum in 34 Jahren mit großer Leichtigkeit. Dickinson, dessen Arbeit als Produzent und / oder Keyboarder auf etlichen bekannten und kaum bekannten Meisterwerken des Pop zu finden ist, beschwört wie Dylan glorreiche, aber im Vergessen begriffene Momente der Vergangenheit. Dabei geht es nicht um schnöde Nostalgie. Dickinson, ein seit den frühen Tagen des Rock'n'Roll in dessen Geheimnisse Eingeweihter, weiß um die Überzeugungskraft des von ihm interpretierten Materials. Er ruft es uns lediglich in Erinnerung - und lässt ihm die jugendliche Virilität seiner ihn begleitenden Söhne angedeihen.

Die Ergebnisse sind fantastisch: Von rollenden Truck-Driver-Boogies über waidwunde Balladen bis zu Rhythm'n'Blues spannt der Sitzriese mit gurgelnder Bassstimme den Bogen. Sein Vortrag besitzt die Integrität und Überzeugungskraft großer Erzähler und lässt selbst ewige (Männer-)Blödheiten wie Love Bone als Weisheit erscheinen. Ökonomisch produziert, ist diese Sammlung von leider nur elf Fremdkompositionen ein rarer Glücksfall, von dem man sich noch viele Fortsetzungen wünschte. Dickinson hat für jeden etwas zu bieten. Wie meint Ry Cooder in seinen mit Herzblut verfassten Linernotes: "Jim Dickinson, son of a delta salesman, a code-talker, a personal friend of mine. Take a seat, listen in, find your place." (flu / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.9.2006)

  • JAMES LUTHER DICKINSON Jungle Jim And The Voodoo Tiger  (Memphis Interntl. Rec./Audiocenter: 01/ 533 68 49)
    foto: memphis

    JAMES LUTHER DICKINSON Jungle Jim And The Voodoo Tiger (Memphis Interntl. Rec./Audiocenter: 01/ 533 68 49)

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