Fabeltiere an Zeitgenossen

5. Oktober 2006, 23:09
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Die Kinder der Kunsthändler, Teil 4: Katharina Zetter

Wien - Kekse backen mit Kiki Kogelnik ist eine der charakteristischen Kindheitsanekdoten von Katharina Zetter. Die Vernissagegäste waren begeistert von den Nachbildungen der Kiki-Köpfe, mit Pignoli und Zuckerstreusel verziert. Das war Anfang der 90er-Jahre, als über die Ausstellung der mittlerweile verstorbenen Künstlerin der Bereich zeitgenössische Kunst Teil des sonst dem Wiener Jugendstil vorbehaltenen Programms der Galerie bei der Albertina wurde.

Mittlerweile zählt eine ausgesuchte Kogelnik-Offerte schon zum Standardprogramm und bespielt auch vom 20. Oktober bis zum 31. Jänner 2007 die Räumlichkeiten am Lobkowitzplatz. Hinter den Kulissen hat sich hier der Generationenwechsel bereits vollzogen. 1999, zeitgleich als Sophie Zetter und Claudia Kovacek die gemeinsame Galerie in der Stallburggasse eröffnen, beginnt Katharina in der Kunsthandlung der Mutter zu arbeiten.

Davor volontiert sie bei einer amerikanischen Modedesignerin in New York, belegt einen mehrmonatigen Sprachkurs in Paris und absolvierte anschließend in Wien ihr Wirtschaftsstudium im Schnelllauf. In ihrer Diplomarbeit finden die Themengebiete über das Folgerecht wieder zueinander. 2003 übernimmt Katharina die Geschäftsführung der Galerie. Die Rolle ihrer Mutter ist nicht nur eine beratende geblieben, sie ist derzeit deutlich öfter als zuletzt anzutreffen. Denn Generation Nummer drei - die Drillinge Moritz, Felix und Amelie - ist kein halbes Jahr alt. In der thematischen Praxis des Kunsthandels begeistert Katharina vor allem angewandte Kunst und hier das von der Wiener Werkstätte (WW) angestrebte Konzept des Gesamtkunstwerkes. Die erste intensive und praktische Auseinandersetzung fand über die anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der WW veranstalteten Ausstellung statt, wo die Gestaltung der Räumlichkeiten ebenso Katharina Zetters Handschrift trug wie der begleitende Katalog.

Mittlerweile wurde das Galerieprogramm leicht justiert, Zeitgenössisches reduziert. Kogelnik und Klinkan fungieren als punktuelle Begleiter des Schwerpunktes, den mit viel Liebe und Know-how zusammengetragenen Jugendstil-Kunstwerken. In der aktuellen unter dem Titel Bildhauerei Malerei Design - Österreichische Kunst des 20. Jahrhunderts laufenden Herbstausstellung (bis 12. Oktober) finden sich demgemäß eine Reihe von speziellen Kostbarkeiten: Farbholzschnitte von Ludwig Heinrich Jungnickel aus der Mappe Tiere der Fabel, eine um 1916 ausgeführte Sitzgarnitur von J. & J. Kohn mit besonderen Rautenornamenten, sowie eine herrliche Auswahl an Objekten, ausgeführt vom Who's who der österreichischen Kunstszene des 20. Jahrhunderts.

Traditionelles von Michael Powolny oder Berthold Löffler neben expressiven Buntheiten einer Vally Wieselthier - von Vasen mit Fabeltieren (4800 Euro) bis zu prächtigen Kaminverkleidungen - oder auch wahre Raritäten, wie die 1913 von Richard Teschner ausgeführte weibliche Figur aus Alabaster, teilweise vergoldet, mit Opalen und Türkis verziert. Eine Besonderheit, für die Sammler an die 68.000 Euro bereithalten müssen. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.9.2006)

  • Galerie 
bei der Albertina, die nächste Generation: Katharina Zetter.
    foto:galerie bei der albertina

    Galerie bei der Albertina, die nächste Generation: Katharina Zetter.

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