Pum: "Sport hat keine Lobby"

5. Oktober 2006, 13:55
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Schulsport und Skikurse forcieren - Der Alpindirektor des österreichischen Skiverbands im STANDARD-Interview

STANDARD: Wo liegen für Sie die Unterschiede in der österreichischen Sportpolitik im Vergleich zu früher? Was hat sich zuletzt getan?

Hans Pum: Man muss sagen, grundsätzlich wird mehr Geld für den Sport ausgeschüttet, es werden mehr Projekte gefördert. Das merkt man auch als ÖSV, obwohl einige sagen, wir werden eh zur Genüge gefördert und sind eh so erfolgreich. Aber es ist sehr richtig, auch erfolgreiche Sportarten zu fördern, um Kontinuität zu gewährleisten.

STANDARD: Zentraler Punkt beim damaligen Auftritt war der Schulsport, die Forderung nach einer täglichen Bewegungseinheit?

Pum: Wenn man ab und zu mit Lehrern redet, merkt man, dass da den Schülern etwas abgeht. Vor allem dass Freigegenstände, für die Lehrer nichts mehr gezahlt bekommen, weggefallen sind, tut weh. Dabei lernt man Koordination vor allem zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr, da ist bei einem 20-Jährigen vergleichsweise nicht mehr so viel zu machen. Es heißt nicht umsonst, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper steckt.

STANDARD: Die Tatsache, dass sich die Anzahl der Schulskikurse drastisch vermindert hat, trifft den ÖSV wohl hart.

Pum: Schulskikurse gehören wieder mehr forciert. Skifahren ist wie Radfahren, wenn du's einmal kannst, kannst du's ewig. Aber wenn du es als Kind nicht lernst, wird's schwierig. Schulskikurse sind das Um und Auf für den gesamten Breitensport und auch auf Sicht für den Tourismus. Bei uns sind so viele Orte auf den Wintersport ausgerichtet.

STANDARD: Haben Sie die Behandlung des Themas Sport im Wahlkampf bemerkt?

Pum: Ich habe etliche TV-Konfrontationen gesehen, das Wort Sport hab ich nicht ein einziges Mal gehört. Das ist traurig. Der Sport ist scheinbar für alle so durch und durch selbstverständlich, dass er keine Lobby hat, obwohl Spitzensportler auch gute Repräsentanten Österreichs im Ausland sind. Und obwohl viele Spitzenpolitiker sportlich sind - die laufen Marathons, die fahren Ski, die spielen Fußball.

STANDARD: Was sagt ein Vertreter des so erfolgreichen Skiverbands zur Situation des so erfolglosen Fußballbunds?

Pum: Dazu will ich gar nicht viel sagen. Nur so viel: Man muss den Leuten Zeit lassen. Die Truppe ist nicht so schlecht, wie sie hingestellt wird, der Hickersberger ist der Beste für den Job. Ich bin überzeugt, bis zur EM 2008 kriegt er eine gute Mannschaft zusammen. Freilich müssen sie mehr Verantwortungsbewusstsein an den Tag legen - nicht nur für ihre Vereine, indem sie schauen, dass sie sich nur nicht verletzen. Wer kämpft, kann verlieren. Aber wer nicht kämpft, hat schon verloren. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 28. September 2006, fri)

ZUR PERSON:

Hans Pum (52), Alpindirektor des Skiverbands (ÖSV). Stand bei den OÖ-Landtagswahlen 03 auf der ÖVP-Liste.

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