Kleinmann: "Politik falsch informiert"

5. Oktober 2006, 13:55
posten

"Sport würde Stimmen bringen" - Der Präsident des Volleyball-Verbands und des Vizemeisters hotVolleys im STANDARD-Interview

STANDARD: Vor den Wahlen 2002 haben Sie von einem "historischen Augenblick" gesprochen, als Präsidenten großer und kleiner Sportverbände gemeinsam auftraten und Forderungen an die Politik erhoben. Was ist geblieben?

Peter Kleinmann: Einiges. Das war kein Strohfeuer, der Sport hat sein Standing verbessern können. Er ist ins Bundeskanzleramt gewandert, vorher war er irgendwo abgelegt. Und es gibt mehr Geld.

STANDARD: Aber es ist doch wieder genauso wie vor vier Jahren, dass nämlich der Sport im Wahlkampf nicht vorkommt, von keiner einzigen Partei thematisiert wird.

Kleinmann: Das ist schade. Scheinbar glauben Politiker, mit dem Thema Sport könne man keine Stimmen gewinnen. Ich behaupte, da sind Politiker falsch informiert. Vierzig Prozent der Österreicher betreiben aktiv Sport. Sport ist eine der wenigen expandierenden Branchen. Sport bringt Gesundheit. Sport schafft Arbeitsplätze. Würde sich eine Partei voll zum Sport bekennen, sie würde Stimmen kriegen, davon bin ich überzeugt.

STANDARD: Sind zu wenige ehemalige Sportlerinnen und Sportler in der Politik?

Kleinmann: Es wäre enorm wichtig für den Sport, dass er von Menschen vertreten wird, die aus dem Sport kommen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass eine Partei, wenn sie die Positionen verteilt, demjenigen den Sport überträgt, für den ihr sonst nichts einfällt. Platini und Beckenbauer bewerben sich für hohe Ämter in der UEFA und der FIFA. Da meine ich, das müsste auch in Österreich passieren.

STANDARD: Merken auch die Volleyballer, dass der Sport über mehr Geld als früher verfügt?

Kleinmann: Ja, das merken wir deutlich. Wenn wir innovative Projekte einreichen, dann werden diese Projekte auch finanziert. Das finde ich sehr okay.

STANDARD: Der Bereich Schulsport ist jener, über den man 2002 meinte, hier bestünde größter Aufholbedarf.

Kleinmann: Da ist noch viel zu tun. Wir müssen versuchen, die Jugend zum Sport zu kriegen. Täglich Sport in der Schule muss eine Grundforderung bleiben. Mit der Situation jetzt bin ich jedenfalls nicht zufrieden.

STANDARD: Zur Doping-Problematik: Muss sich die Politik stärker involvieren? Was halten Sie davon, dopende Sportler, wie das in Deutschland angedacht wird, zivilrechtlich zu verfolgen und zu belangen?

Kleinmann: Es sind derzeit viele Maßnahmen überzogen. Gott sei Dank ist Doping im Volleyball gar kein Thema. Sportler, die dopen, halte ich für arme Menschen, weil sie Regeln brechen, aber nicht für Kriminelle. In etlichen Sportarten haben Sportler nur folgende Alternativen: verlieren, dopen oder aufhören. Dort gehören andere Voraussetzungen geschaffen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 28. September 2006, fri)

ZUR PERSON:

Peter Kleinmann (59), Präsident des Volleyball-Verbands und des Vizemeisters hotVolleys, Sozialdemokrat.

Share if you care.