Telecom Italia-Chef Rossi hält Unternehmen für gesund

5. Oktober 2006, 13:59
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Neuer Präsident: "Veräußerung nur im Sinne eines Wachstums"

Der neue Präsident der Telecom Italia, Guido Rossi, hat am Mittwoch in einer Ansprache vor dem Parlament versichert, dass sein Unternehmen trotz der starken Verschuldung gesund sei. "Keine Bank hegt Zweifel, dass Telecom Italia seine Schulden abbauen kann. Das Unternehmen ist vom industriellen und finanziellen Standpunkt gesund", sagte der 71-jährige Rossi, der nach dem Rücktritt seines Vorgängers Marco Tronchetti Provera vor zwei Wochen das Ruder von Europas fünftgrößtem Konzern übernommen hat.

Weniger Schulden

Bis Ende 2006 werde die Verschuldung auf 38 Mrd. Euro sinken. Ende Juni hatte sie noch 41,3 Mrd. Euro betragen. "Das Unternehmen hat schon bewiesen, dass es seine Schulden abbauen kann. Zwischen September 2001 und Ende 2004 wurde der Schuldenberg von 43,4 Mrd. auf 29,5 Mrd. Euro reduziert", versicherte Rossi.

Rossi verteidigte den von seinem Vorgänger beschlossenen Strategiewechsel, wonach die Bereiche Festnetz und Mobilfunk aufgespalten werden sollen und die Telecom Italia in ein Medienunternehmen umgewandelt werden soll. "Veräußerungen werden nur im Sinne eines Konzernwachstums erfolgen", meinte Rossi. Gerüchte über einen bevorstehenden Verkauf der Mobilfunktochter TIM an ausländische Investoren hatten in Italien in den letzten Tagen Wellen der Entrüstung ausgelöst.

Streit in der Regierung

Die Umbaupläne bei der Telecom Italia hatten auch einen heftigen Streit mit der Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi ausgelöst. Die Auseinandersetzung fand mit dem Rücktritt von Telecom-Italia-Chef Tronchetti Provera seinen Höhepunkt. Prodis Wirtschaftsberater Angelo Rovati hatte hinzu mit einer Empfehlung an Tronchetti Provera, die Netzwerksparte des Konzerns an den Staat zurück zu verkaufen, einen politischen Sturm entfacht. Die konservative Opposition sieht darin einen Beleg für eine Einmischung der Mitte-Links-Regierung in die Konzernführung. Rovati musste wegen der scharfen Polemik zurücktreten.

Rossi versicherte, dass er sich gegen jegliche Form von Verstaatlichung der 1997 privatisierten Telecom Italia stemmen werde. "Ich habe bereits den Posten des Telecom Italia-Präsidenten mit der Aufgabe bekleidet, den Konzern zu privatisieren. Ich werde jetzt nicht passiv zusehen, wie das Unternehmen wieder verstaatlicht wird", versicherte Rossi.

Steuerfahndung

Steuerfahnder hatten am Freitag Justizkreisen zufolge Büros der Telecom Italia in Mailand durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Die Ermittler gingen Vorwürfen nach, das Unternehmen habe im Zusammenhang mit der geplanten Umstrukturierung die Finanzaufsicht Consob nicht ausreichend informiert und deren Arbeit behindert, hieß es.(APA)

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