RCB: Schwächere Konjunktur dämpft ATX-Dynamik in 2007

12. Oktober 2006, 18:16
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Kaufempfehlungen für AT&S, EVN und Zumtobel sowie für die Ostbanken OTB, Komercni banka, Ceska sporitelna und Slovenska sporitelna

Wien - "Man hat das Gefühl, Ängste werden laufend von Sorgen abgelöst", bescheibt RCB-Chefanalystin Birgit Kuras das aktuelle Börsensentiment. Nach einem sehr erfolgreichen Jahresanfang und den deutlichen Einbrüchen in den Monaten danach "sind wir nun wieder dabei, international unspektakulär aufzuholen", sagte die Marktexpertin der Raiffeisen Centro Bank am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. "Doch zur Beruhigung: Für das heurige Jahr sind wir durchaus optimistisch." Der Börsenleitindex ATX sollte sich bis zum Jahresende bei 4.000 Punkten bewegen - mit einer Bandbreite von 3.500 bis 4.200 Zählern, erwartet die RCB.

In den kommenden Monaten werde die Freude über das absehbare Ende der Zinsanhebungen ab 2007 noch stärker wiegen als die Wachstumssorgen. Die Wirtschaftsdaten aus den USA und Deutschland, die am Dienstag veröffentlicht wurden, haben die Kurse in Wien zunächst deutlich steigen lassen. Denn das US-Verbrauchervertrauen im September und der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex waren um einiges besser als erwartet. Tatsächlich sei das Bild aber etwas gespalten, meint die RCB: Zwar haben die 7.000 befragten deutschen Unternehmen den Ist-Zustand sehr positiv beurteilt, was die Zukunft betrifft, sind die Betriebe aber vorsichtig.

Leichte Abkühlung 2007

Für 2007 geht die RCB von einer leichten Abkühlung der europäischen Konjunktur aus. Den USA stehe zwar keine Rezession, aber eine "sanfte Landung" ins Haus. Denn der US-Immobilienmarkt und der private Konsum der Amerikaner würden sich weiter abschwächen. Der private Konsum stellt immerhin 70 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes (BIP). "Die Eurozone wird sich da nicht abkoppeln können", ist Kuras überzeugt. Immerhin gehen 60 Prozent der europäischen Exporte in die USA.

Eine gebremste Konjunktur in Europa wirkt sich unweigerlich auf die Performance des österreichischen Börsenindex aus. "Der zyklische Faktor wird den ATX belasten", sagt Kuras voraus. Denn der ATX setzt sich knapp zur Hälfte aus zyklischen Werten zusammen. Die Dynamik früherer Quartale fehlte zuletzt. Dieser Trend sollte sich laut Kuras weiter fortsetzen.

Positive Features

Die Wucht negativer Konjunktureinflüsse an der Wiener Börse in Grenzen halten dürften laut RCB positive Features wie die hierzulande sehr dynamische Wirtschaft, die starke Industrieproduktion (mit einem Plus von zehn Prozent im Juni), die hervorragende Kapazitätsauslastung von 84 Prozent, die rege Investitionstätigkeit, die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt, die Rückendeckung durch Osteuropa mit seinen hohen Wachstumsraten und nicht zuletzt die niedrige Bewertung der heimischen Aktien.

Zum Kauf empfiehlt die RCB den obersteirischen Leiterplattenhersteller AT&S, den Energieversorger EVN und den Vorarlberger Leuchtenspezialisten Zumtobel. Ebenfalls auf der aktuellen Einkaufsliste findet sich ein osteuropäischer Bankenschwerpunkt mit der ungarischen OTB, der tschechischen Komercni banka sowie den Erste-Bank-Töchtern Ceska sporitelna und Slovenska sporitelna. (APA)

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