Nordautobahn- Bau gestoppt

4. Oktober 2006, 08:49
7 Postings

Bundesvergabeamt stoppt Prestigeprojekt zwischen Wien und Mistelbach - Asfinag dennoch zuversichtlich

Wien - Knalleffekt bei der Vergabe der ersten Privatautobahn, der Nordautobahn (A5) zwischen Wien und Mistelbach (NÖ): Das Vergabeamt hat die Vergabe des Prestigeprojektes gestoppt, teilte die staatliche Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag mit. Damit wird sich der Start des Autobahnbaus erheblich verzögern. Bereits vor dem Zuschlag für die Errichtung der Autobahn war kritisiert worden, dass die Strecke nur bis Mistelbach und nicht bis zur tschechischen Grenze reicht.

Keine Bauverzögerung

Die Einstweilige Verfügung des Bundesvergabeamtes gegen die Auftragserteilung für Planung, Bau und Betrieb der Nordautobahn (A5) an ein Konsortium aus Alpine und Hochtief hat laut der staatlichen Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag keine weitere Bauverzögerung zur Folge. Mit der Verfügung habe man ohnehin bereits gerechnet, es bleibe bei der vor kurzem angekündigten zweimonatigen Verzögerung durch die Einsprüche der beiden unterlegenen Anbieter.

Die Asfinag zeigte sich am Mittwochnachmittag auf APA-Anfrage weiterhin zuversichtlich, dass der Zuschlag an Alpine/Hochtief letztendlich abgesegnet werde. Asfinag-Finanzvorstand Christian Trattner verwies darauf, dass die inhaltliche Prüfung durch das Bundesvergabeamt noch am Laufen sei und eine Entscheidung in den nächsten sechs Wochen zu erwarten sei. Die Asfinag wiederholte heute den Standpunkt, dass die Vergabe genau vorbereitet wurde.

Rechtsstreit

Seit Wochen herrscht über die Auswahl des deutsch-französisch-spanische Konsortiums "Bonaventura" (Alpine/Hochtief) als Bestbieter ein Rechtsstreit. Trotzdem hatte sich Verkehrsminister Hubert Gorbach (B) und die Asfinag überzeugt gezeigt, dass der Autobahnbau planmäßig starten werde. Schließlich habe man die Auftragserteilung sehr gut vorbereitet. Heute hieß es allerdings von Seiten der Asfinag, ein Einspruch sei bei einem derart großen Projekt nichts ungewöhnliches.

Den ersten Rückschlag gab es bereits vor einem Monat. Das unterlegene österreichische Akor-Konsortium ("Autobahnkonsortium Ost-Region") hatte Ende September einen Antrag auf ein Nachprüfungsverfahren durch das Bundesvergabeamt eingebracht. Dem schloss sich auch der zweite unterlegene Bewerber Bilfinger-Berger an. Die Asfinag meinte daraufhin, sie rechne mit einer Bauverzögerung von zwei Monaten.

Die Nordautobahn ist ein Öffentlich-Privates Projekt ("Public-Private-Partnership, PPP) und soll nach Meinung der Regierung ein Musterbeispiel für künftige "privatisierte" Infrastrukturprojekte sein. Im Herbst 2009 sollte die 51 Kilometer lange vierspurige Strecke komplett fertig sein. Die Baukosten betragen rund 850 Mio. Euro, die privaten Straßenbetreiber sind neben dem Bau auch für den Betrieb und die Wartung der Nordautobahn für die nächsten 30 Jahre verantwortlich. (APA)

Share if you care.