Grün sei der Rebstock

7. Februar 2007, 15:05
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Das Vorurteil, dass Bio-Weine nicht mit der Qualität konventionell erzeugter mithalten, stimmt so nicht. Immer mehr namhafte Winzer setzen heute auf Bio-Methoden

Auf der Suche nach besserer Traubenqualität entdecken derzeit immer mehr Winzer biologische Arbeitsweisen für sich. Erstklassige Traubenqualität ist die Basis für Topweine. Bodenbearbeitung und Weingartenarbeit sind wichtige Elemente, die mit natürlicher Bewirtschaftung nachweisbar bessere Ergebnisse bringen.

Bio ohne Chemie nicht möglich

Bio im Weinbau bedeutet in erster Linie deutlich mehr Handarbeit und Verzicht auf viele Hilfsmittel der Industrie, die das Leben im Weingarten und Keller zwar erleichtern mögen, Mensch, Produkt und vor allem Boden jedoch auch deutlich belasten können. Ein großer Teil der Arbeit im Bio-Weinbau ist auf Vorbeugung ausgerichtet, um kritische Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen, was wiederum großes Wissen in Pflanzenphysiologie erfordert. Ganz ohne Chemie geht es im biologischen Weinbau allerdings auch nicht.

Schwefel und Kupfer sind zwei unverzichtbare Elemente. Deren Verwendung wirft man Bio-Winzern auch gerne vor: Aber Schwefel desinfiziert, bindet Sauerstoff und noch so einiges mehr, was man nicht unbedingt im Wein haben möchte. Kupfer ist noch immer das einzig wirksame Mittel gegen falschen Mehltau – trotz intensiver, aber bis dato erfolgloser Suche nach Ersatz.

"Bio Veritas"

Mit Schlagwörtern wie biologisch, naturnah, organisch-biologisch oder biodynamisch wird wild herumgeworfen. Sie scheinen synonym, stehen jedoch für unterschiedliche Zugänge. Die Richtungen etwa biologisch-organisch oder biologisch-dynamisch unterscheiden sich darin, welche Mittel und Arbeitsweisen die jeweiligen Verbände zulassen.

Der österreichische Winzerverband "Bio Veritas" repräsentiert die biologisch-organische "Fraktion", während der Demeter-Verband, der als einziger weltweit agiert, für die biologisch-dynamische Philosophie steht, die nicht nur auf Naturpräparate setzt, sondern auch kosmische Kreisläufe miteinbezieht. Die Bio-Verbände erlassen Bewirtschaftungsrichtlinien, die dabei durchwegs strenger sind als jene in der EU-Bioverordnung 2092, der Basis allen biologischen Wirtschaftens der EU, und denen man sich als Mitglied unterwirft.

Langer Weg zum Zertifizierungslabel

Als von den Bio-Verbänden zertifizierter Betrieb unterzieht man sich regelmäßigen Kontrollen. Ehe sich Betriebe ein Zertifizierungslabel aufs Etikett kleben können, müssen sie zwei oder drei Jahre als Umstellungsbetrieb fristen. Aber es gibt auch Betriebe, deren Arbeitsweise allen Bio-Anforderungen entspricht, die aber, aus welchen Gründen immer, auf eine offizielle Zertifizierung verzichten. Diese Haltung wird von den Bioverbänden schwer kritisiert, mit dem Argument, dass der Bio-Bezug ein reiner Marketing-Schmäh ohne realen Hintergrund ist und der Konsument sich daher nicht auf die Qualität verlassen kann.

Wenige an der Qualitätsspitze

Für den Konsumenten bringt Bio-Wein in erster Linie Genuss und vielleicht ein ruhiges Gewissen – obwohl sehr beim Naturprodukt Wein ein Rebstock auch manipuliert werden muss, um die Ansprüche an Weinqualität zu befriedigen, die von Konsumenten heute gestellt werden. Auch bei Bio-Winzern gibt es, genau wie bei ihren konventionell arbeitenden Kollegen, eine Qualitätspyramide, mit einer dünnen Spitze und einer breiten Basis.

Bio-Wein weltweit

Italien hat mit fast sechs Prozent den größten Anteil an biologisch bewirtschafteten Rebflächen. In Österreich wird in den vergangenen Jahren der Drang zu Bio vor allem in der Oberliga der Erzeuger immer stärker. Manche begünstigen Länder wie Chile, wo die klimatischen und bodentechnischen Bedingungen (keine Reblaus, warm, windig) ideal für biologischen Weinbau sind, überlegen die Bio-Strategie flächendeckend anzunehmen. Das Elsass ist eine Hochburg der Biodynamiker (Zund-Humbrecht, André Ostertag et cetera) ebenso wie Burgund (Domaine de la Romanée Conti etwa). Auch der kalifornische Großbetrieb Fetzer führt eine "organische Linie" Bonterra Vinyards, wo die Weingärten bereits seit Mitte der 1980er-Jahre biologisch bewirtschaftet werden.

Profitables Geschäft

Bio im Weinbau wird sich auf lange Sicht bezahlt machen: Angesichts des Trends zum authentischeren Produkt und der Polarisierung in Industrieweine, mit den dementsprechenden Produktionsmethoden, und in handwerklich gefertigte Erzeugnisse, die als "Zusatznutzen" vielleicht auch noch Terroir widerspiegeln, scheint der Weg über verbesserte Bodenstrukturen in jedem Fall der logischere zu sein. Die namhafte und vor allem hoch dekorierte (internationale) Bio-Gesellschaft lässt diesen Schluss jedenfalls zu. (RONDO/Luzia Schrampf/26.9.2006)

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