Die verbale Offensive

1. Oktober 2006, 17:04
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Während Renault im Ti­telkampf in die Psycho-Trickkiste greift, hofft Michael Schumacher auf seine ersten Punkte im GP von China

Shanghai - Kampfansagen und Sticheleien: Michael Schumachers Abschiedstournee in der Formel 1 wird zum Psycho-Duell mit Weltmeister Fernando Alonso und dessen Rennstall. Vor dem Großen Preis von China am Sonntag in Shanghai sind die Titelverteidiger verbal in die Offensive gegangen.

"Über seine Karriere hinweg hat es einige Fälle gegeben, in denen Michael nicht sein Potenzial ausschöpfen konnte, wenn er unter Druck stand. Und ich denke, der Druck ist größer als je zuvor in diesen letzten drei Rennen", sagte Renault-Chefingenieur Pat Symonds. Sollte es nicht klappen, gebe es diesmal nicht wie in Schumachers Karriere bisher ein "nächstes Jahr", in dem er den Misserfolg wettmachen könne. Denn nach dieser Saison ist für den Ferrari-Piloten Schluss in der Formel 1.

Schumacher: "Alle Möglichkeiten"

Dementsprechend heiß ist Schumacher auf seinen achten Titel, dennoch bewahrt der Stratege am Steuer einen kühlen Kopf. "Wir haben alle Möglichkeiten, die WM noch für uns zu entscheiden. Wir können uns gute Hoffnungen machen", sagte der 37-Jährige vor seinem 248. Grand Prix an diesem Sonntag in Shanghai (08:00 Uhr MESZ/RTL und Premiere). Die zwei Punkte Rückstand, die Schumacher nach seiner dreimonatigen Aufholjagd - nach dem Rennen in Montreal war er noch 25 Punkte zurückgelegen - noch auf Alonso (108) aufweist, seien zu schaffen.

Allerdings dürfe man Renault, dessen Nummer eins wiederum seit drei Monaten auf einen Sieg wartet und in Monza zuletzt sogar erstmalig in dieser Saison wegen eines Motorschadens nicht ins Ziel kam, auf keinen Fall unterschätzen. So betont Rivale Alonso: "Wir sind sicher, dass wir es schaffen werden. Die Motivation im Team ist größer denn je." Allerdings räumte der jüngste Champion in der Formel-1-Geschichte in einem Interview in der neuesten Ausgabe des Fachmagazins "auto, motor und sport" bezüglich seines bevorstehenden Wechsels zu McLaren-Mercedes auch ein, dass die "Liebe zu Renault erloschen" sei. "Wir sind zusammen groß geworden, haben uns vom vierten Platz in der Konstrukteurswertung zum Titel hochgearbeitet. Mehr geht nicht. Man sollte sich auf dem Höhepunkt trennen."

Die Frage ist allerdings, wer von beiden - Schumacher oder Alonso - auf dem Höhepunkt neue Wege geht. Fährt Schumacher zum Abschluss seiner 16-jährigen Karriere Siege in Shanghai, eine Woche später in Suzuka - dort wo er 2000 zum ersten Mal mit Ferrari Weltmeister geworden war - und beim Finale furioso in Sao Paolo ein, ist Alonso nach nur einem Jahr auf dem Thron wieder gestürzt.

Weise Prognose: "Es wird eng"

"Es wird in meinen Augen sehr eng", räumt der Herausforderer ein, der in China eher eine Rechnung mit der Strecke als mit seinem Kontrahenten begleichen will. Denn auf dem Kurs in der asiatischen Metropole, in der Plakate entlang vieler Straßen vom bevorstehenden Duell der Renn-Giganten künden, kam Schumacher bis dato noch gar nicht in Fahrt. 2004 blieb er ohne Punkte, 2005 kam er nicht einmal ins Ziel. "Ich gehe davon aus, dass es diesmal besser klappt", so Schumacher.

Schützenhilfe könnte ihm dabei sein Nachfolger bei der Scuderia, Kimi Räikkönen (FIN), leisten. Allerdings will der McLaren-Mercedes-Mann selbst den Sieg ansteuern. "In den beiden ersten Rennen in China bin ich einmal Dritter und einmal Zweiter geworden, diesmal will ich gewinnen", kündigte Räikkönen an. Erneut an seiner Seite wird der Spanier Pedro de la Rosa um seinen Platz im nächsten Jahr kämpfen. Der Shooting-Star Lewis Hamilton (GBR) muss nach seinem GP2-Gesamtsieg weiter auf sein Renndebüt in der Königsklasse warten.(APA)

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