Firmeninsolvenzen gehen zurück - Privatpleiten explodieren

11. Oktober 2006, 15:22
130 Postings

Während deutlich weniger Unternehmen in die Pleite schlitterten, legten Privatinsolvenzen um nahezu 20 Prozent zu

Wien - Während die Firmenpleiten in Österreich in den ersten drei Quartalen 2006 im Jahresvergleich deutlich zurückgegangen sind, sind die Privatinsolvenzen im selben Zeitraum mit nahezu plus 20 Prozent bei den eröffneten Verfahren explodiert. An jedem Gerichtstag schlitterten 26 Private in die Pleite, so der Insolvenzexperte im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, zu den heute, Mittwoch, veröffentlichten aktuellen Zahlen. Die Firmeninsolvenzen werden heuer unter dem Vorjahresrekord liegen und auch mittelfristig weiter sinken, bei den Privatkonkursen sei mit einem weiteren Ansteigen zu rechnen, lautet die Prognose.

Im Detail ging die Zahl der gesamten Unternehmensinsolvenzen in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,8 Prozent auf 5.018 Fälle zurück. Die Zahl der eröffneten Verfahren verringerte sich um 2,3 Prozent auf 2.280 Pleiten, davon 2.229 Konkurse (minus 3,0 Prozent) und 51 Ausgleiche (+45,7 Prozent). Die Zahl der Mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge ging um 8,5 Prozent auf 2.738 Fälle zurück. Die Gesamtverbindlichkeiten stiegen hingegen um 1,7 Prozent auf 1,759 Mrd. Euro, die Zahl der betroffenen Dienstnehmer nahm ebenfalls zu, und zwar um 2,5 Prozent auf 16.100 Beschäftigte.

Meiste Unternehmenspleiten in Wien

Die meisten Unternehmenspleiten gab es in Wien mit 1.511 Fällen gefolgt von Niederösterreich mit 751 Fällen und Oberösterreich mit 669 Fällen. Nach Branchen gibt es traditionell die meisten Pleiten in der Bauwirtschaft gefolgt vom Gastgewerbe und den Unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Die größten Fälle waren heuer der Konkurs der Styrian Airways AG in Unterpremstätten mit Passiva von 50,1 Mio. Euro, gefolgt von der Wiener Altro Warenhandelsgmbh mit Passiva von 49,9 Mio. Euro und der I&T Technology Entwicklungs- und Holding AG mit Passiva von 45,8 Mio. Euro.

Die Zahl der Privatkonkurse erhöhte sich im Berichtszeitraum um 15,8 Prozent auf insgesamt 5.566 Fälle. Bei den eröffneten Schuldenregulierungsverfahren gab es ein Plus um 18,7 Prozent auf 4.675 Fälle. Die Zahl der Mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge stieg um 1,8 Prozent auf 891 Fälle. Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten stiegen um 3,1 Prozent auf 590 Mio. Euro. Die meisten Privatpleiten gab es mit 1.645 Fällen in Wien, gefolgt von Oberösterreich (879 Fälle) und Kärnten (631). Als durchaus positiv sieht Kantner die Tatsache, dass die Schulden der Privaten bei einem nahezu 20-prozentigen Anstieg der Fälle nur um etwa 3 Prozent gestiegen sind. Dies beweise ein Sinken der Schulden pro Fall, der auch auf selektivere Kreditvergaben der Banken und auf frühere Konkursbeantragungen hindeute, so Kantner. (APA)

  • Artikelbild
    foto: epa/ossinger
Share if you care.