Bush nennt Analyse über Terrorgefahr "naiv"

4. Oktober 2006, 13:01
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Spekulation um weiteren Irak-Bericht - Das Dokument zum Download

US-Präsident George W. Bush ließ am Dienstag weitere Teile des Geheimdienstberichtes NIE (National Intelligence Estimate) über die weltweite Terrorgefahr veröffentlichen; am Wochenende hatte die New York Times Ausschnitte gebracht, die heftige Debatten auslösten. Der Irak, so Abschnitte des im April hergestellten Berichts, sei nun „zum cause célèbre für Djihadisten“ geworden und rufe „tiefe Ressentiments gegen die US-Involvierung in der muslimischen Welt“ hervor. Bush selbst stellt jedoch die Erkenntnisse des von 16 Geheimdienstorganisationen zusammengestellten Berichtes in Frage und erklärte, es sei „naiv“, anzunehmen, der Krieg im Irak habe den Terrorismus verschlimmert.

Inzwischen behauptet die ranghöchste Demokratin im Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses, es gebe einen weiteren NIE-Bericht, der sich gänzlich auf den Irak konzentriere: Jane Harman fordert die Herausgabe des Reports, den die Regierung angeblich bis nach den Kongresswahlen zurückhalten will und der ein besonders düsteres Bild der derzeitigen Lage im Irak zeige. Die Wortgefechte nach dem Zornausbruch von Expräsident Bill Clinton im rechten TV-Sender Fox News setzen sich unterdessen fort: Außenministerin Condoleezza Rice gab der konservativen Zeitung New York Post (die ebenso wie Fox News Rupert Murdoch gehört) ein Interview und erklärte, Clintons Vorwurf, die Bush-Regierung habe vor 9/11 nichts gegen den Terror und Al-Kaida getan, sei „schlichtweg falsch“, ohne jedoch zu erklären, was tatsächlich getan wurde.

Am Mittwochabend hatte Präsident George Bush ein „seltsames Paar“ zum Abendessen eingeladen: die streitbaren Präsidenten von Afghanistan und Pakistan, Hamid Karsai und Pervez Musharraf. Musharraf wirft in seinem soeben erschienenen Buch „In the Line of Fire“ den USA vor, Pakistan nach dem 11. September 2001 damit gedroht zu haben, es „ins Steinzeitalter zurückzubomben“. (Susi Schneider aus New York/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2006)

  • Die veröffentlichten Teile des National Intelligence Reports (PDF, 68 KB)

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