Ministerialrat versäumte Zug und ließ ihn stoppen

4. Oktober 2006, 12:03
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"Hatte einen dringenden Termin" - Gorbach fordert Stellung zu nehmen

Wien - "Ich bin aus dem Verkehrsministerium und daher der Betreiber der Züge". Mit diesen Worten soll G. Parrer, Infrastruktur-Chef im Verkehrsministerium, einen Fahrdienstleiter der ÖBB aufgefordert haben, einen Intercity Zug außerplanmäßig in Neulengbach (NÖ) zu halten, berichtet die Kronen Zeitung.

In der Meldebuchabschrift der Bahn liest sich das so: "Der Reisende verlangt, weil er seinen Zug versäumt hat und nach Linz muss, einen außerplanmäßigen Halt".

Falscher Fahrplan

Parrer hatte angeblich einen falschen ÖBB-Fahrplan, wodurch er auf dem verwaisten Bahnhof stand. "Ich hatte einen dringenden Termin bei Helmut Kukacka. Einen Staatssekretär kann man doch nicht warten lassen" erklärte Parrer in der Kronen Zeitung.

Kukacka erklärte dazu: "Ich habe das nie angeordnet. Er hätte auch ruhig den nächsten Zug nehmen können". Bisher hat es keine Konsequenzen für den Ministerialrat gegeben, der außertourlich den Zug stoppen ließ.

Gorbach fordert Stellung zu nehmen

Da sich auch die BB nicht über das Verhalten des Beamten beim Verkehrsministerium beschwert hat, herrscht im Ministerium selbst Unklarheit, wer mit dem Fall beauftragt ist. Verkehrsminister Gorbach warf Staatssekretär Kukacka Untätigkeit in der Causa vor und hat nun die Angelegenheit zur Chefsache erklärt. Gorbach forderte sowohl Kukacka wie auch den Vorgesetzten von Parrer schriftlich auf, zu dem Vorfall Stellung zu nehmen. Zuvor hatte es aus dem Büro Gorbach geheißen, das Staatssekretariat sei offensichtlich nicht gewillt, hier Schritte zu setzen. Woraufhin das Büro Kukacka konterte, für die Mitarbeiter des Verkehrsministeriums sei der Verkehrsminister zuständig.

Kritik

Die Grünen werfen mittlerweise "Gorbach & Co" vor, bei dem Fall untätig zu sein, und kündigten eine parlamentarische Anfrage an. "Während bei den ÖBB mit dem nächsten Fahrplanwechsel möglicherweise das Abwarten von Anschlusszügen eingestellt wird, was PendlerInnen besonders hart trifft, wird von hohen BMVIT-Leuten die Bahn offenbar als Privat-Taxi betrachtet", so die Grüne Verkehrssprecherin Gabriela Moser. Sie verwies darauf, dass obendrein für den außerplanmäßigen Stopp laut ÖBB-Meldebuch vom 31.5.2006 "nicht einmal die für solche Fälle vorgesehene Anhaltegebühr gezahlt wurde".(APA)

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