Schengen-Fahndungsdaten werden in Salzburg "gebunkert"

5. Oktober 2006, 13:53
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Backup-Server des Schengen-Informationsystems II kommt in Regierungsbunker - Neues System mit 35 Millionen Daten Grafik

Die Fahndungsdaten des Schengen-Informationssystems (SIS) II werden im "Regierungsbunker" in St. Johann im Pongau gespeichert. Das bestätigte der Sprecher des Innenministeriums, Rudolf Gollia, der APA. In Betrieb gehen wird das neue System vermutlich in der zweiten Hälfte 2008, wenn 13 weitere Staaten in das Schengen-Fahndungssystem aufgenommen werden. Gleiche Daten

Konkret soll im Bunker der Backup-Rechner installiert werden, der über die gleichen Daten verfügt wie der Hauptrechner in Straßburg und dessen Aufgaben bei einem möglichen Ausfall übernehmen soll. Das neue System hätte schon früher in Betrieb gehen sollen, verzögerte sich aber wegen technischer Probleme, und damit auch der Beitritt der neuen EU-Länder. 18 Teilnehmerstaaten

SIS II wurde notwendig, weil die erste Version für maximal 18 Teilnehmerstaaten ausgerichtet ist. Der Beitritt Großbritanniens, Irlands, der Schweiz und der zehn neuen EU-Länder im kommenden Jahr ist also vom neuen System abhängig. Insgesamt werden es dann 28 Staaten sein, die Einwohnerzahl im Schengenraum steigt von 320 Millionen auf rund 450 Millionen. Derzeit befinden sich rund 16 Millionen Fahndungs-Daten im System, im neuen werden es rund 35 Millionen sein, schilderte der Leiter der österreichischen Fahndungszentrale, Wilhelm Riegler. Außerdem werden im SIS II auch weitere Applikationen ermöglicht. Bei Personenfahndungen werden zusätzliche Identifikationsdaten wie Lichtbilder, Fingerabdrücke und DNA-Profile in das SIS eingespeichert. Zudem soll künftig auch nach Wertgegenständen, Baumaschinen, Containern, Schiffen und Flugzeugen gefahndet werden können. Darüber hinaus sollen Personen- und Sachenfahndungen automatisch verknüpft werden, um beispielsweise einen Bezug zwischen einem flüchtigen Straftäter und einem von ihm verwendeten Fahrzeug herstellen zu können. VIS

Gleichzeitig mit dem SIS II soll in allen EU-Staaten auch ein Visa-Informationssystem (VIS) eingeführt werden. Es handelt sich dabei um ein elektronisches System für den Austausch von Visa-Daten zwischen den Mitgliedstaaten. Diese Datenbank soll nicht nur Daten über erteilte Visa, sondern auch über Visumanträge und abgelehnte Visa enthalten. Neben der Übermittlung von Lichtbildern wird auch die Erfassung von biometrischen Daten (Fingerabdrücke, Iris- und Gesichtserkennung) geprüft. Auch für dieses System wird sich der Backup-Server im Regierungsbunker befinden. Der Bunker ist in den Jahren 1977 bis 1982 im Heukareck nahe der Salzburger Kleinstadt St. Johann als "Einsatzzentrale Basisraum" entstanden. In rund 300 Metern Tiefe befinden sich die Zentrale der militärischen Luftraumüberwachung und ein Rechenzentrum des Bundesregierung. Rund 250 Menschen sind hier beschäftigt. Schutz

Der Bunker ist gegen Angriffe mit Kernwaffen, mit biologischen und mit chemischen Kampfstoffen geschützt. Im Krisenfall sollte hier die österreichische Regierung ihre Geschäfte weiterführen können. Rund 500 Personen könnten im Ernstfall in der "EZ/B" untergebracht sein. Wasser und Sauerstoff wird von außen geholt, aufbereitet und gesäubert. (APA)

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