Mahler-Version von Beethovens 9. Symphonie

5. Oktober 2006, 23:05
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Wiederaufführung in Wien nach neun Jahrzehnten

Wien - Mit einer Rarität wartet das Niederösterreichische Tonkünstler-Orchester am Freitag zu seiner Spielzeiteröffnung im Wiener Musikverein auf: Erstmals seit mehr als neun Jahrzehnten wird in Wien wieder Gustav Mahlers Bearbeitung von Beethovens Neunter Symphonie zu hören sein. Das Orchester wird unter Chefdirigent Kristjan Järvi mit dem Slowakischen Philharmonischen Chor die Rarität spielen.

Eine weitere Aufführung in Wien ist für den 1. Oktober angesetzt, zuvor wird am Samstag in Grafenegg und danach in St. Pölten (2. 10.) gespielt. Solisten sind Gabriele Fontana (Sopran), Barbara Hölzl (Alt), Arnold Bezuyen (Tenor) und Reinhard Mayr (Bass).

Die erste Wiener Aufführung von Mahlers Beethoven-Bearbeitung fand 1901 im Musikverein statt, Mahler selbst dirigierte. Er wollte die Komposition Beethovens dem modernen Orchester angleichen und dort retuschierend eingreifen, wo die zu Beethovens Zeiten technisch noch nicht so gut entwickelten Instrumente Konturenschärfe vermissen ließen, heißt es in der Ankündigung des Tonkünstler-Orchesters.

Das tat er, indem er viele Stimmen verdoppelte, und Phrasierung und Artikulation verschärfte. Was dem euphorischen Publikum mehr gefiel als den Kritikern: In Rezensionen war von "Barbarei" der "Übermalung" die Rede, "gegen den klar ausgesprochenen Willen Beethovens".

Mahler selbst war hingegen sicher: "Schon die Zusammensetzung und Stärke des Orchesters macht das nötig: zu Beethovens Zeiten war das ganze Orchester nicht so groß wie heute die Streicher allein. Wenn nun die übrigen Instrumente nicht ins richtige Verhältnis dazu gebracht werden, kann es nicht richtig herauskommen." (APA)

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