Liebeswerben um die angeschlagene AUA

10. Oktober 2006, 13:10
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Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer outet sich als Patriot und kann sich vorstellen, bei der Kapitalerhöhung der AUA mitzumachen

Wien/Paris – Nach dem Chef der Wiener Städtischen, Günter Geyer, und RZB-Boss Walter Rothensteiner kann sich nun auch Wienerberger-General Wolfgang Reithofer eine Beteiligung an der AUA via Kapitalerhöhung vorstellen. Eine mögliche Beteiligung hänge vom "Gesamtkonzept ab, könnte aber absolut eine Überlegung sein", so Reithofer im Magazin Trend.

Gegebenenfalls würde er sich auch intensiv dafür einsetzen, dass sich andere Unternehmen ebenfalls beteiligen. Eine "Verländerung" würde ihm dagegen weniger schmecken. "Ich würde es besser finden, wenn sich der Kapitalmarkt, und hier vor allem österreichische Unternehmen, an der geplanten Kapitalerhöhung beteiligen würden", so Reithofer. Der Chef der verlustreichen AUA, Alfred Ötsch, würde einen Einstieg österreichischer Unternehmen bei der AUA im Fall einer Kapitalerhöhung grundsätzlich begrüßen. Er fände das "super" – wenn es eine Kapitalerhöhung gebe.

Ganz und gar nicht einverstanden ist Ötsch hingegen mit den Äußerungen des AUA-Betriebsrats, der für einen Allianz-Wechsel zum Skyteam rund um die Air France plädierte. Ötsch: Ein "fehlgeleiteter Betriebsrat" stelle einen "Störfaktor" dar.

Ein Air-France-Sprecher sagte zum STANDARD, dass die Airline nicht daran denkt bei einer AUA-Kapitalerhöhung mitzumachen und in Sachen Allianz-Wechsel hieß es: Die AUA habe bisher nicht darum ersucht, und es gehöre nicht zu den Usancen von Skyteam, bei der Konkurrenz Mitglieder abzuwerben.

Innerhalb des Skyteams ist die tschechische CSA (2005: 7,7 Mio. Passagiere, die AUA kam auf zehn Mio.) der Osteuropa-Spezialist. Sie wird künftig von der Aeroflot und der rumänischen Tarom unterstützt.

Die AUA ist seit 2000 bei der Star Alliance rund um die Lufthansa. Ein Ausstieg wäre äußerst schwierig und kostspielig, weil mit erheblichen Pönalezahlungen verbunden. Außerdem müssten Reservierungssysteme, das Vielfliegerprogramm, die gesamte IT, das Check-in, Serviceabläufe und Qualitätsstandards geändert werden. Für eine angeschlagene Airline wie die AUA wäre das ein teurer Kraftakt. Die Kosten für den Allianzwechsel von der Qualiflyer-Gruppe mit der Swissair zur Star Alliance wurden damals auf 500 Millionen S (36,3 Mio. Euro) geschätzt. 300 Mio. S dürften die Auflösung der Swissair-Verträge verschlungen haben, der Umstieg selbst dürfte rund 200 Mio. S gekostet haben. (cr, brä, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.9.2006)

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    Wolfgang Reithofer

  • Für Wienerberger zählt die Bedeutung der AUA für den Standort und die Rolle Wiens als Hub für Osteuropa.
    montage: standard/beigelbeck

    Für Wienerberger zählt die Bedeutung der AUA für den Standort und die Rolle Wiens als Hub für Osteuropa.

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