Hitler-Gemälde in England versteigert

6. Oktober 2006, 10:35
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Auktion brachte weitaus mehr ein als erwartet - "Comedy-Terroristen" sorgten für Aufregung bei der Auktion

Lostwithiel - Für 21 Aquarelle und zwei Zeichnungen von Adolf Hitler sind am Dienstag auf einer Auktion in England insgesamt 115.000 Pfund (170.000 Euro) geboten worden. Die einzelnen Werke brachten zwischen 3.200 und 10.500 Pfund (4.760 bis 15.600 Euro), wie seitens des Auktionshaus Jefferys verlautete. Es waren Werke, die Hitler allem Anschein nach während des Ersten Weltkriegs in Flandern anfertigte.

Die Versteigerung brahcte damit mehr als doppelt so viel wie erwartet ein, wie ein Sprecher des Auktionshauses Jefferys berichtete. Die jahrzehntelang verschollenen Arbeiten zeigen ländliche Szenen aus dem Grenzgebiet zwischen Frankreich und Belgien und sind mit "A. Hitler" oder "AH" signiert.

Höchster Preis

Den höchsten Preis bezahlte ein russischer Geschäftsmann für ein Aquarell auf Papier mit dem Titel "Die Kirche von Preux-au-Bois". Die Arbeiten entstanden angeblich, als sich Hitler während seines Armeedienstes im Ersten Weltkrieg in der Grenzregion aufhielt. 60 Jahre nach ihrer Entstehung wurden sie auf einem Dachboden in der Nähe der belgischen Stadt Huy gefunden. Zwei Flüchtlinge aus Frankreich hatten die versiegelte Kiste mit den Bildern offenbar auf ihrem Heimweg 1919 auf dem Speicher zurückgelassen. Eine ältere Frau, die anonym bleiben will, bot die Werke dem Auktionshaus zum Verkauf an.

Möglicherweise echte Hitlerwerke

Falls die Arbeiten echt sind, wäre es die größte Versteigerung von Werken Hitlers seit vielen Jahren. Ein Gutachter befand die Signaturen zwar für echt, sagte aber, die Bilder entsprächen nicht dem Niveau früherer Hitler-Werke. Sie seien "mäßige Amateurkunst". In seiner Jugend wollte Hitler unbedingt Künstler werden, wurde jedoch zwei Mal von der Wiener Akademie der bildenden Künste abgelehnt.

Kritik an Auktion

Britische Kommentatoren äußerten allerdings nicht nur Zweifel an der Authentizität der Werke, sondern kritisierten auch die Auktion. Die Aufmerksamkeit der Medien trage dazu bei, einen "armseligen und abstoßenden Markt von Andenken an das Dritte Reich" aufrecht zu erhalten, schrieb Jonathan Jones in der Zeitung "The Guardian".

"Comedy-Terroristen"

Für kurzzeitige Aufregung sorgte während der Auktion ein Auftritt des selbst ernannten "Comedy-Terroristen" Aaron Barschak. Dieser protestierte laut gegen die Versteigerung, bevor er von Wachleuten aus dem Auktionssaal gebracht wurde. "Seht, sie werfen Juden hinaus", rief Barschak. 2003 hatte der Berufsprovokateur Sorgen um die Sicherheit des britischen Königshauses ausgelöst, als er sich trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen unter die Gäste einer Geburtstagsparty von Prinz William mischte.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ian Morris vom Auktionshaus Jefferys zeigt das Aquarell mit dem Titel "Die Kirche von Preux-au-Bois"

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