Metaller übergeben Forderungspaket

9. Oktober 2006, 15:41
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Industrie fordert mehr Flexibilisierung - Wirtschaftsforscher rechnen mit Abschluss knapp unter drei Prozent

Wien - Der Startschuss für die heurige Herbstlohnrunde ist gefallen: Erstmals nach dem Rücktritt von Rudolf Nürnberger als Chef der Metallergewerkschaft hat am Mittwoch sein Nachfolger Erich Foglar den Arbeitgebern das Forderungspaket der Arbeitnehmer übergeben. Die Übergabe fand in der Wirtschaftskammer statt.

Gefordert wird wie in den vergangenen Jahren eine Erhöhung der Ist- und der Kollektivvertragslöhne und -gehälter ohne Angaben von Prozenten. Gemeinsam mit den Industrieangestellten wird insgesamt für rund 180.000 Beschäftigte verhandelt.

Signalwirkung

Im Anschluss an die Übergabe folgt das traditionelle Wirtschaftsgespräch zur aktuellen Konjunktur und zur Situation der Unternehmen. Das echte Feilschen um Prozente folgt am kommenden Dienstag. Der Abschluss der Metaller hat traditionell Signalwirkung für alle weiteren Kollektivvertragsrunden.

Die Industrie will heuer über ein neues Lohn- und Gehaltsmodell mit einer an die Inflationsrate gebundenen Lohnautomatik plus einer gewinnabhängigen Einmalzahlung verhandeln. Die Gewerkschaft lehnt das ab, sie will auf Grund der guten Unternehmensgewinne heuer eine ordentliche Lohn- und Gehaltserhöhung durchsetzen. Für die Arbeitnehmer steht die Absicherung des Lebensstandards und der Kaufkraft im Vordergrund.

Man könne in der heutigen Zeit, wo nicht einmal mehr Branchenkonjunkturen wirklich stattfinden, sondern es einzelnen Unternehmen der gleichen Branche durchaus gut und anderen schlecht geht, nicht alle Unternehmen über einen Kamm scheren, so Arbeitgeber-Chefverhandler und Leitz-Boss Hermann Haslauer. Deshalb suche die Industrie nach Lösungen, die es ermöglichen, mehr Verantwortung in die Betriebe zu verlagern. Die Frage der Flexibilisierung und eine ergebnisorientierte Entlohnung, sowie eine mögliche Gewinnbeteiligung seien daher wesentliche Diskussionspunkte.

Unternehmen mit guten Verdiensten

Einig sind sich die Wirtschaftsforscher, dass die Unternehmen heuer gut verdient haben. Trotzdem halten sie einen Dreier vor dem Komma für eher unwahrscheinlich. Die Inflation ist heuer niedriger, so Helmut Hofer vom Institut für höhere Studien (IHS). Die Frage sei auch, ob die Konjunktur anhalte. "2,9 Prozent ist wahrscheinlicher als 3,1 Prozent", so Hofer.

3,1 Prozent wie der Vorjahresabschluss ist für Alois Guger vom Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) "eher die Obergrenze". Die Inflationsrate liege um gut einem halben Prozentpunkt unter dem Vorjahr. Unternehmensgewinne seien zwar gut, die Entwicklung aber zwiespältig. Die Forderung der Industrie, einen Teil des Lohns als Prämie auszuzahlen, sei ein Ansatz, problematisch sei es aber, eine transparente Formel für die Gewinnermittlung zu finden.

Metallergewerkschaft und Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) verhandeln auch heuer wieder gemeinsam. Die Arbeitnehmer werden von Erich Foglar und Karl Proyer vertreten. Auf Arbeitgeberseite verhandeln Hermann Haslauer und Christoph Hinteregger. Der neue Kollektivvertrag soll mit 1. November in Kraft treten. Im Vorjahr hatte man sich auf eine Erhöhung der Ist- und KV-Löhne und Gehälter um 3,1 Prozent geeinigt.

Forderungsprogramm im Wortlaut

  • Erhöhung der Mindestlöhne bzw. Mindestgehälter
  • Erhöhung der Ist-Löhne bzw. Ist-Gehälter
  • Erhöhung der im Kollektivvertrag angeführten Zulagen und Aufwandsentschädigungen im Ausmaß der Erhöhung der Mindestlöhne/-gehälter bzw. im Ausmaß der Erhöhung der Ist-Löhne/-gehälter
  • Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen im Ausmaß der Erhöhung der Mindestlöhne/-gehälter
  • Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen im Ausmaß der Erhöhung der Mindestlöhne/-gehälter.

    Weiters fordern die Gewerkschaften

    Rahmenrechtliche Verbesserungen: insbesondere

  • weitere Vereinheitlichung der rahmenrechtlichen Regelungen den Angestellten-Kollektivvertrag betreffend
  • Verbesserungen bei der Aus- und Weiterbildung - Erweiterung der Bildungsfreistellungsansprüche
  • Geltungstermin: 1. November 2006 (APA)

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