25. Oktober 2006, 11:39
posten
"Balkan, aber richtig", verspricht die erste Ausgabe von Biber, dem "Stadtmagazin für Wien, Viyana & Beè".

Ein Magazin auf Deutsch für junge Österreicher mit türkischem und serbo-kroatischem Hintergrund. Pfeffer heißt Biber auf Kroatisch, erklärt uns Schwimmstar Mirna Jukic gleich auf Seite 3. Ihr Interviewer ergänzt, auf Türkisch bedeutet Biber auch scharf.

"Prototyp 2006 kost nix"

Kreischbunt die Optik, 66 Seiten auf kostengünstigem Papier, kostenlos das Blatt, ausgewiesen als "Prototyp 2006 kost nix". Gegründet haben das Heft Bülent Öztoplu vom Verein Echo zur Unterstützung Jugendlicher, der auch als Herausgeber fungiert, und Simon Kravagna als Chefredakteur, im Hauptberuf Innenpolitiker des "Kurier". Eine Reihe seiner Kollegen haben daran mitgebastelt.

Die hohe Politik zeigt so knapp vor der Wahl besonderes Interesse an Jungwählern mit multikulturellem Hintergrund. Neben Efes- und Roj-Bier, Bank Austria und Austrian inserieren ganzseitig ÖVP, Grüne und SPÖ.

Was erwartet den Konsumenten?

Ein "Bierkrieg" Efes und Roj gegen Ottakringer. Der Migrant unter den Nationalratskandidaten. Eine Reportage von der Ottakringer Partymeile von Hiphop bis Turbofolk, der auch politisch nicht ganz unumstrittenen Hochgeschwindigkeitsvariante serbischer Volksweisen. Tipps gegen Alltagsrassismus. Die Platten auflegende Austro-Brasilianerin Jocce Muniz und DJ SuperSultan. Boxende Tschetschenen in Wien. Der Wiener Oberligaverein Galatasaray. Getunte Gürtel-Raser. Modeschöpfer Atil Kutoglu, auch anderswo unvermeidlich. Rezept für türkisches Lahmacun und die passenden Bäckereien.

Bunt, professionell und völkerverbindend, auch wenn das Wort unmodern klingt. Und schon insofern: Balkan, aber richtig. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2006)

Biber, Verein Echo (Herausgeber), kostenlos, erster "Prototyp" gerade erschienen, info@wienerbiber.at.
Share if you care.