"Dieses Bild ist ein Mussolini"

5. Oktober 2006, 23:09
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Angebliche Hitler-Gemälde in England versteigert - Als "Führer" Kostümierter stürmte Auktionssaal - Käufer anonym

Lostwithiel - Für 21 Aquarelle und zwei Zeichnungen von Adolf Hitler sind am Dienstag auf einer Auktion in England insgesamt 115.000 Pfund (170.000 Euro) geboten worden. Die einzelnen Werke brachten zwischen 3.200 und 10.500 Pfund (4.760 bis 15.600 Euro), wie Chris Walton, ein Sprecher des Auktionshaus Jefferys, mitteilte. Es waren Stücke, die Hitler allem Anschein nach während des Ersten Weltkriegs in Flandern anfertigte.

Die Gemälde wurden auf einem Bauernhof in Belgien gefunden - nicht weit vom Einsatzort Hitlers im Ersten Weltkrieg. Die anonymen Besitzer ließen sich laut Walton von Experten bestätigen, dass die Bilder tatsächlich von Hitler stammten. Diese Experten seien inzwischen allerdings verstorben, so dass letzte Zweifel nicht ganz ausgeräumt werden könnten.

Gemischte Gefühle

Die Bewohner der Kleinstadt Lostwithiel im Südwesten Englands hatten der Auktion mit gemischten Gefühlen entgegengesehen. Während einige es begrüßten, dass die vom Tourismus abhängige Kleinstadt dank der Auktion mehr Publicity erhalte, äußerten andere ihren Unmut darüber, nunmehr mit Hitler assoziiert zu werden. Rhonda Barad vom Simon-Wiesenthal-Zentrum sprach von einer sehr schlechten Entscheidung. Die meisten Auktionshäuser nähmen Rücksicht auf die Gefühle der NS-Opfer und böten ganz bewusst keine Gemälde von Hitler an, deren Verkauf in vielen Ländern ohnehin verboten sei.

Protest bei Auktion

Während der Auktion hat eine kleine Gruppe von Demonstranten für Aufsehen gesorgt. Zwei Männer, von denen einer als Hitler kostümiert war, stürmten in den Auktionssaal und riefen aus, sie würden "sechs Millionen Pfund bieten, denn dieses Bild ist ein Mussolini".

Die Käufer blieben anonym. Einer stammte nach eigenen Angaben aus Estland und sagte, er habe Bilder für einen osteuropäischen Geschäftsmann erworben: "Ich hatte den Auftrag, für alles zu bieten, was Hitlers Signatur hat."

Mit der Protestaktion während der Versteigerung habe man darauf aufmerksam machen wollen, dass "dies eine Beleidigung ist und niemals hätte geschehen dürfen", sagte Tamara Barschak, die Frau eines der beiden Demonstranten. "Wenn das in London und nicht in einem kleinen Dorf in Cornwall passiert wäre, hätte es große Demonstrationen gegeben. Adolf Hitler war schließlich ein Massenmörder und es ist falsch, mit ihm Geld zu machen." (APA/AP)

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