Schwarzer Flirt mit Gastinger

Redaktion, 01. Oktober 2006 21:16

Die ÖVP kann mit einer unabhängigen Justizministerin nur gewinnen - von Michael Völker

"Jetzt erst recht" - mit dieser Anleihe aus dem Waldheim-Wahlkampf versuchen die Orangen dem vor ihnen liegenden Abgrund noch entgegenzusteuern. Aus ihrer Sicht könnten sie dem Abgang von Karin Gastinger auch etwas Positives abgewinnen: Das BZÖ schärft sein Profil. Der Hauch des Liberalen ist fort, das BZÖ ist auf eine Ausländer-raus-Partei mit entsprechendem Personal reduziert.

Damit ist jede Unterscheidbarkeit mit der FPÖ weggefallen, außer dass die Mannschaft um Heinz-Christian Strache in ihrem Wirken und Auftreten glaubhafter erscheint. Das BZÖ ist ein Trittbrettfahrer auf dem freiheitlichen Zug. Nur führt die Reise für das BZÖ nirgendwohin.

Karin Gastinger hat aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht. Am Tag, bevor sie in Graz bei der Abschlussveranstaltung des BZÖ die Ausländerhetze ihres neuen Chefs Peter Westenthaler hätte mitvertreten sollen, hat sie diesem per E-Mail Adieu gesagt. Für das BZÖ "ein übles, hinterhältiges Spiel", für die SPÖ "ein Trick", ein "abgekartetes Spiel". Beide vermuten die ÖVP und Wolfgang Schüssel hinter diesem Schritt.

Das scheint so nicht ganz zu stimmen. Natürlich ist es seltsam, dass Gastinger ausgerechnet sechs Tage vor dem Wahltag Abschied nimmt und damit dem BZÖ die letzten Chancen auf einen Einzug in den Nationalrat raubt. Natürlich ist es seltsam, dass Gastinger die Ausländerfeindlichkeit ihrer Partei so spät erkennt, zumal sie doch alle wesentlichen Beschlüsse in den Gremien mitgetragen hat. Aber man kann ihr glauben.

Gastinger war davon ausgegangen, dass sie im BZÖ ihre Vorstellungen einbringen, ihre gesellschaftspolitisch liberalen Ansätze würde umsetzen können. Sie hat es probiert und ist gescheitert. Auch an der ÖVP. Als sich im Finale des Wahlkampfes das Programm des BZÖ auf ein dumpfes Ausländerhauen und Ortstafel-Abmontieren verdichtete, ist sie ausgestiegen. Spät, aber doch. Dem BZÖ gegenüber nicht fair, aber verständlich. Gastinger, von Jörg Haider 2004 als "Boxenluder" in die Politik eingeführt, hat sich emanzipiert. Und sie hat eine Familie gegründet, was auch als Erklärung für ein emotionales Motiv herangezogen werden kann.

Sie hatte kein konkretes Angebot der ÖVP. Mag sein, dass ihr Schüssel schöne Augen gemacht, sie indirekt bestärkt hat. Ihr Austritt aus dem BZÖ ist auch nicht ganz ohne Kalkül erfolgt, so naiv ist nie nicht. Sie bleibt damit als Ministeramtsanwärterin im Rennen - und hat damit die Chancen auf eine politische Zukunft gewahrt. Auf dem Ticket des BZÖ hätte sie bestenfalls in die Wasserrechtsabteilung der Kärntner Landesregierung zurückkehren können.

Im BZÖ wird jetzt zwar hinter vorgehaltener Hand übel über sie geschimpft, offiziell traut sich aber niemand, ihr Schlechtes nachzureden. Sie war nicht nur liberales Feigenblättchen, sie war das profilierteste Regierungsmitglied der Orangen und deren sympathischste Politikerin.

Verständlich, dass Kanzler Schüssel nun in aller Öffentlichkeit mit ihr flirtet - und die Entscheidung über eine Zusammenarbeit ein wenig in der Schwebe hält. Eine unabhängige Kandidatin Gastinger für ein Ministeramt wäre ein Zugewinn, dagegen könnten sich auch SPÖ oder Grüne schwer wehren - mit denen die Kärntnerin in Teilbereichen sogar mehr Übereinstimmung hat als mit der ÖVP.

Und unverständlich, war-um die SPÖ jede Annäherung an Gastinger, die im Augenblick das Attribut "unabhängig" beanspruchen darf, so brüsk von sich weist.

Ein penibel vorbereiteter Coup, wie 2002 die Anwerbung von Karl-Heinz Grasser als unabhängiger Finanzminister, ist der Parteiaustritt von Gastinger und das schwarze Umwerben sicher nicht. Dazu ist auch die Motivlage der Protagonisten zu unterschiedlich. Stand bei Grasser die politische Karriere (Grassers und Schüssels) im Vordergrund, ist bei Gastinger auch ein Hauch von Anstand im Spiel. Die ÖVP könnte mit der unabhängigen Justizministerin aber nichts verlieren, nur gewinnen. Auch die Wahl. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2006)

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workingman
27.09.2006 18:25

Ausländerfeindlich? BZÖ? Diese Frau hat NULL Rückrad - was sind das für AUSREDEN? Wann hat sie das bemerkt bzw. wer hat ihr eingesagt, dass die ORANGEN so sind? Sag ihr wer, dass die BLAUEN auch so sind, sonst hat sie bald wieder ein AHA-Erlebnis...

erwin.
27.09.2006 16:32
Realität:

ist doch schon ausgemachte sache,sollte der unkanzler schüssel die wahl für sich entscheiden ist gastinger fix,eine liberale die nie eine war.

grasser & gastinger liberal? .

was kann da einem liberalen(sozial) kommen?











das kotzen.

Maria.k
 
27.09.2006 14:17
Doppelt hält besser um zu entpolitisieren,

Gastinger nannte sich daher als unabhängig und parteifrei im Bewußtsein, daß das etwas Positives sei.
Das macht schon ihre Gefährlichkeit aus. Sie hat also keinerlei rechtspolitische Ideologie, fragt nicht nach den gesellschaftlichen Opfern eines beliebigen Rechtssystem.
Die Menschen kennen es nicht, weil sie hat kein Programm, an dem man sich orientieren kann.

Was man von ihr weiß ist, daß sie die Politik und das Ideengut des BZÖ mitgetragen hat bis 5 Tage vor den Wahlen.Daß sie sich um keine gesellschaftlichen Bereiche, außer dem unmittelba ihr übertragenen gekümmert hat.Das ist bedenklich, denn Recht kann nicht abgekoppelt werden von den Bereichen, die es regelt.

Leib Schüssel
27.09.2006 13:07

es ist natürlich ein vielversprechendes konzept, einen teil der ministerInnen nachund nach durch parteifreie zu ersetzen.

der faschist schüssel hat nur ein ziel, um dessen erreichung seine gedanken unaufhörlich kreisen: die zerstörung der (sozial)demokratie und die schaffung eines daktatorischen ständestaates. das ganze muß freilich unter dem deckmäntelchen der demokratie passieren.

parteifreie ministerInnen machen es dem wähler praktisch unmöglich, einfluß auf die tatsächlich sich bildende regierung zu nehmen. ist die partei als regulativum ohnehin nicht ohne zweifel zu sehen, so läßt sie es doch zu, durch entsprechendes wahlverhalten einen kurs eventuell mitzubestimmen.

ein paar parteifreie öffnen der willkür eines schüssel jdes tor.

Reinhard Kürsten
27.09.2006 17:01
Sie disqualifizieren sich...

Ich verstehe ja, dass man Schüssel kritisch gegenübersteht, aber was man hier lesen kann wirft in seiner hass-triefenden Art ein bezeichnenedes Licht auf manche "Poster".
Maria K.: "Schüssel fanatisch zerstörend, "
Leib Schüssel: " der Faschist Schüssel, Zerstörung d. Demokratie, will diktator. Ständestaat." Merken Sie nicht, wie entsetzlich Ihre Sprache ist?! Mit der Sprache fängt es an. Bei Haider/Strache haben Sie es doch sicher auch schon kritisiert. Und dann verstecken Sie sich hinter mehr oder weniger witzigen Pseudonymen. Warum? Stehen Sie nicht zu Ihrer Meinung? Demokratie beruht auf Kontroverse, aber auch auf Argumenten und nicht auf anonymen Hass-Tiraden!

Walter S.1
27.09.2006 16:08
Das ist aber kein Napalm mehr ... das war Al-Kaida made in Austria

Der "Faschist" Schüssel. Ist Ihnen klar, was ihnen da über die Fingerkuppen gelaufen ist? Wollen Sie Österreich anzünden? *kopfschüttel und augenverdreh vor solch einen menschen*;-)

esgrasstmichanundschüsseltmich
27.09.2006 12:41
Jetzt hab ichs...

Das mit dem Anstand war ein Missverständnis. Die Gastinger möchte einfach wirklich sehr anständig abkassieren :)

c c
27.09.2006 12:33

ein ego-trip sondergleichen, unter dem mäntelchen der "charakterfestigkeit". zum kotzen. es gab schon einen grund warum gastinger beim BZÖ war.
heute ist klar, dass das BZÖ nicht mehr in der regierung bleiben wird, also schnell eine hintertür gesucht-gefunden.
heute gibt es schon ein personenkomitee für eine "unabhängige" jus-ministerin Gastinger, das bereits inserate schaltet (!) und die ankündigung von gastinger, gerne als "unabhängige" in einer ÖVP regierung weiterarbeiten zu wollen.

Gastinger hat sich ein bisschen reputation erworben, aber hinter der fassade steckt dann doch eine gnadenlose opportunistin.
und auf der anderen seite wohl der trickkistenkanzler.
auch wenn er wieder mal so tut ls wäre dies alles nur zufall.

Papp Kamerad
27.09.2006 12:20
mit einem schlag jahre eigener politikgeschichte weggewischt.

frau gastinger ist vermutlich nach 1986 der fpö beigetreten und hat somit ganz genau gewusst, wofür bzw. wogegen diese "bewegung" stand.

jahrelang hat sie diese so brav mitgetragen, dass sie vom chef sogar persönlich als ministrabel auserkoren wurde.

6 tage vor der wahl soll ihr da auf einmal der anstand einschießen? wer soll denn das glauben, außer dem herrn völker?

Christoph Sedlaczek
27.09.2006 17:12

Tja sie sollten sich vielleicht doch mal informieren bevor sie so nen nonsens von sich geben, denn Gastinger war nie FPÖ Mitglied. Im übrigen die einzige vom BZÖ die das von sich behaupten kann. 1986 war sie im übrigen in keiner politischen wie auch immer gearteten Funktion. Wenn ich mich net irre war sie bis sie in die Regierung gekommen ist Landesbeamtin.

Papp Kamerad
27.09.2006 19:16
i stand corrected.

vielen dank für die richtigstellung, ich nehme meine aussagen zurück.

Gerhard Tiefenbacher
 
27.09.2006 12:14
Dem Abgrund entgegensteuern...

War die Formulierung Absicht oder ein Freudscher Verschreiber ?

Dem Abgrund entgegen - genau das tut das BZÖ

Fetz Pepi
27.09.2006 13:02

Warten Sie ab jetzt wo sie sich geschlichen hat ist da noch einmal eine Chance

dakila dakila
27.09.2006 11:58
Man darf nicht vergessen, dass Gastinger als Justizministerin Weisungen an die Staatsanwaltschaft geben konnte und dass es einen Staatsanwalt gibt, der der ÖVP in der Flöttl-Sache sehr gute Dienste geleistet hat.

Jetzt tät sie halt gerne die Rechnung einkassieren.

Bei der mangelnden Handschlagsqualität von Schüssel & Co schätz ich mal dass das durchaus noch danebengehen kann.

Fakt ist auf alle Fälle, dass sie bei einem Verbleib beim BZÖ nach der Wahl sicher gehen müsste. Wo da jemand Anstand sehen kann ist mir schleierhaft!

Gridomo
27.09.2006 11:43
Ein Hauch von Anstand?

Etwa so ein Hauch wie ein Hauch von Minze in einem vollen Speibkübel?

yotix
27.09.2006 11:41

Wie "unabhängig" kann eine Ministerin sein, die aus dem Lager der Haider-Bewunderungs-Yuppiefanclubs kommt, mit das NS-Regime verharmlosenden Parteimitgliedern kooperierte und auch bei offen rassistischen Aussagen nicht den Hut nahm? Von Charakter zeugt es jedenfalls nicht, erst so spät die FPBZ zu verlassen bzw je dabei gewesen zu sein.

Bluesman
27.09.2006 11:53
Michael Völker

wo leben Sie?? Die Gastinger hat bereits zum zweiten Mal kein Angebot vom Schüssel bekommen.
Fakt. Da könnens heiße Luft daherreden, bis platzen.

Maria.k
 
27.09.2006 14:25
Sagt sie, sagt Schüssel, glauben Sie.

Ich glaube es nicht, andere auch nicht. Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen,die wir Schüssel seit vielen Jahren kennen und seine mangelnde Glaubürdigkeit.

Ich stimme dem Poster zu, der davon spricht, daß Schüssel zerstörend tätig ist. Wie erleben es täglich, daß er es ist, fanatisch sogar. Und Zerstörung ist in jedem Fall gegen die Gesellschaft gerichtet, verstehen Sie.

yotix
27.09.2006 11:26

Gastinger hat immerhin für eine Partei gearbeitet, die recht offen rechtsextrem ist und Hetze gegen Ausländer betreibt - und dabei auch slowenischsprachige Österreicher brutal diffamiert. Wieso halten Sie es für schwer verständlich, dass die SDPÖ einem solchen offensichtlich dem Rechtsextremismus nicht abgeneigten Menschen kein Angebot macht?

Christoph Sedlaczek
27.09.2006 20:09

Ausländerfeindlich war die FPÖ zu Zeiten von Heide Schmid auch schon, würden sie jetzt auch behaupten Heide Schmid ist "ein dem Rechtsextremismus nicht abgeneigter Mensch" ?
Tja die SPÖ sieht das wohl nicht so denn immerhin verschaft sie der von Schmid gegründeten Bewegung einen Platz im Parlament.

grgr grn
27.09.2006 10:48
jede, die aus einer miesen partei kommt...

soll plötzlich ursupergut sein und ministerin bleiben, weil sie ausgetreten ist. gilt das für frau haubner und frau gehrer und frau prokop auch, nachdem sie aus ihrer partei ausgetreten wären? mehr als einen hauch von anstand hätten die ja auch.

yotix
27.09.2006 11:45

Die könnten künftig Mafia-Aussteiger für Ministerposten nehmen, die sind dann ja auch aus einem ungustiösen Verein ausgetreten und hätten damit ihren "Anstand" bewiesen ...

Meine Meinung: Wer mal bei FPBZ war, hat bewiesen, dass er keinen Anstand hat. Die FPBZ zu verlassen ist dann zwar positiv, aber das Ergebnis so etwas wie ein Exmafioso, Ex-Exhibitionist oder Exkinderschänder.

Oskar!
27.09.2006 11:31
darf ich Heidi Schmid auf Ihre Liste dazu einbringen.

Danke.

Ernstl
27.09.2006 11:11
kann man nicht vergleichen...

ja aber bitte - die zwei lisis sind ja wirklich die dümmsten in der regierung

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