Zuckersüßer Schlaf

4. Oktober 2006, 14:11
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Schlaf dient nicht nur der Regeneration, er greift auch in den Stoffwechsel ein: Zu wenig Schlaf kann auch zu Diabetes führen

Schlaf dient nicht nur der Regeneration. Er greift auch in den Stoffwechsel ein: Zu wenig Schlaf kann auch zu Diabetes führen, erklärten Forscher bei einer Tagung in Innsbruck. Auch der frühe Schulbeginn wurde diskutiert.

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Innsbruck - Ausreichender und gesunder Schlaf spielt bei der Leistungsfähigkeit des Gehirns, beim Gedächtnis und insbesondere beim Transfer von Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis eine entscheidende Rolle, sagt Thomas Pollmächer, Psychiater, Schlafforscher und Präsident der European Sleep Research Society (ESRS), die kürzlich in Innsbruck tagte. Sich gut auszuschlafen ist daher für Lernende besonders wichtig: "Im Schlaf konsolidiert sich das Gedächtnis", meint Pollmächer.

Die 1180 Tagungsteilnehmer aus 48 Ländern waren ein Beleg für die steigende Bedeutung von Schlafmedizin und Schlafforschung. Organisiert wurde der Kongress von der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖGSM-ASRA). Deren Präsidentin ist Birgit Högl, Leiterin von Schlaflabor und Spezialambulanz für Schlafstörungen an der Uniklinik für Neurologie in Innsbruck.

Schlafforscher unterscheiden 90 verschiedene Störungsbilder. Zu den Hauptgruppen zählt mangelnder beziehungsweise ungenügend erholsamer Schlaf (Insomien) und vermehrte Schläfrigkeit untertags (Hypersomnien). Das Bemühen von ESRS und ÖGSM-ASRA zielt darauf ab, eine eigene Ausbildung für Schlafmedizin (analog zur Sportmedizin) zu etablieren.

Neben dem Zusammenhang von Schlaf und Gedächtnis beschäftigen sich die Schlafforscher in den letzten Jahren besonders auch mit dem Stoffwechsel. "Schlafmangel führt schon nach kurzer Zeit dazu, dass der Körper Glukose schlechter verwerten kann", sagt Pollmächer. Es wird daher angenommen, dass chronischer Schlafmangel langfristig zur Ausbildung einer Diabeteserkrankung maßgeblich beitragen kann. Große epidemiologische Studien würden einen derartigen Zusammenhang belegen, ebenso zwischen Schlafmangel und Fettsucht. Allerdings warnt Pollmächer vor übereilten Schlüssen, kann doch Schlafmangel auch nur die Kehrseite eines intensiv geführten, stressigen Lebens sein.

Faktum ist allerdings auch, dass Menschen schon bei akutem Schlafmangel zu anderen Nahrungsmitteln greifen, erklärt Högl. US-Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen der Fettsucht fördernden Fastfood-Unkultur und der Tatsache, dass in unseren westlichen Gesellschaften innerhalb weniger Jahrzehnte die durchschnittliche Schlafdauer von acht auf sieben Stunden zurückgegangen ist.

Späterer Schulbeginn

Ein Thema am Innsbrucker ESRS-Kongress war auch ein späterer Schulbeginn. Ausgangspunkt dafür ist die Erkenntnis, dass das Bedürfnis Jugendlicher, länger aufzubleiben, primär nicht sozial, sondern genetisch bedingt sei, wie US-Forschungen ergaben. Österreichische Studien des Grazer Schlafmediziners Reinhold Kerbel ergeben ein abweichendes Bild. Entscheidend sei demnach, dass die Jugendlichen genügend Schlaf bekommen. Kerbel befürchtet, dass ein späterer Schulbeginn nur dazu führen würde, dass Pubertierende noch später schlafen gehen würden.

Durch eine Untersuchung der Uni Leipzig bekommen schläfrige junge Leute allerdings Rückendeckung: Dortige Forscher haben herausgefunden, dass es biologische, hormonelle Ursachen hat, dass die Mehrheit der 13- bis 20-Jährigen früh am Morgen sehr schwer in Gang kommt. (Hannes Schlosser/DER STANDARD, Printausgabe, 27. September 2006)

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