Industrieverbände fordern bessere Rahmenbedingungen für die Forschung

4. Oktober 2006, 13:41
posten

IWI-Studienergebnis: Unübersichtliches Fördersystem, Mangel an qualifiziertem Personal und öffentlichen Geldern

Wien - Obwohl die Maschinen- und Metallwarenindustrie (MMI) und die Elektro- und Elektronikindustrie (EEI) mit 60 Prozent der F&E-Ausgaben (1,5 Mrd. Euro 2004) zu den innovationsstärksten Branchen in Österreich zählen, sei die Forschungspolitik noch stark gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Dies erklärten die Fachverbands-Obmänner Albert Hochleitner (FEEI) und Clemens Malina-Altzinger (FMMI) am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien.

Die vom Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) befragten Unternehmen haben die Forschungspolitik zwar mehrheitlich mit "Gut" bis "Befriedigend" bewertet. Zuversicht wurde auch über die Entwicklung der eigenen künftigen F&E-Ausgaben geäußert. Barrieren liegen laut IWI-Studie aber vor allem in den hohen Innovationskosten, einem Mangel an qualifiziertem Fachpersonal und dem "komplexen und unübersichtlichen" Fördersystem.

Klagen über hohes wirtschaftliches Risiko

Weiters beklagen die Betriebe - KMUs und Großunternehmen in ungefähr gleichem Ausmaß - das hohe wirtschaftliche Risiko und einen Mangel an F&E-Eigenkapital. Dem Trend, dass immer weniger technische Ausbildungen gewählt werden, will man seitens der MMI mit Image- und Informationskampagnen verstärkt entgegen treten, unterstrich Fachverbands-Obmann Malina-Altzinger.

Trotz positiver Gesamt-Perspektive liegt die Kehrseite der Medaille in den forschungspolitischen Rahmenbedingungen, sind sich die Obmänner einig. Die Vorgabe der "Lissabon-Strategie", bis 2010 drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in F&E zu investieren, sei allenfalls ein "Zwischenziel", sagte Hochleitner, der die Aufteilung der Forschungsausgaben in Frage stellte. "Wir verforschen derzeit rund sechs Mrd. Euro in Österreich mit zwei Drittel aus der Wirtschaft und einem Drittel von der öffentlichen Hand."

Zur Erreichung der avisierten Ziele müssten die Gesamtausgaben auf neun Mrd. Euro wachsen, was jedoch anteilsmäßig nicht auf die Industrie abgewälzt werden dürfe. Vielmehr solle es "eine Aufstockung der wirtschaftsbezogenen Forschungsförderung geben", so der FEEI-Obmann. Das neue Haus der Forschung und die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sieht Hochleitner als "einen wesentlichen Schritt nach vorne." Im Hinblick auf eine Vereinfachung des Fördersystems bzw. des administrativen Aufwands "gibt es aber noch sehr viel zu tun."

Hintergrund dieser Forderungen ist eine neue IWI-Studie mit dem Titel "Forschung - Technologie - Innovation" (FTI), bei der ein repräsentativer Querschnitt der insgesamt rund 1.220 Mitgliedsbetriebe beider Industriebereiche befragt wurde. Demnach generieren die Branchen gemeinsam 47,4 Mrd. Euro der Produktion und tragen 20,7 Mrd. Euro zur heimischen Wertschöpfung bei. In Summe würden die Unternehmen der MMI und EEI bis zu 327.000 Arbeitsplätze in Österreich (7,9 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse) sichern.

Spitzenplatz in Österreich

Auch bei den Beschäftigten in Forschung und Entwicklung (F&E) liegt man mit 60 Prozent (11.585 Vollzeitäquivalente 2004) in Österreich an der Spitze. "Die F&E-Strukturen von heute sind die Produktionsstrukturen von morgen", so Studienautor und IWI-Chef Herwig Schneider. "Mit jedem Beschäftigten in innovativen Unternehmen dieser Industrien werden weitere eineinhalb Beschäftigte in der Zulieferindustrie und vor allem im Dienstleistungsbereich geschaffen", strich der Experte den direkten volkswirtschaftlichen Effekt hervor.

"Jeder neunte in Österreich erwirtschaftete Euro kommt aus den beiden Branchen", rechnete Schneider vor. In den vergangenen drei Jahren haben knapp 80 Prozent der Unternehmen der beiden Branchen innovative Produkte auf den Markt gebracht, heißt es in der Studie. Auffallend sei das "extrem ausgeprägte Kooperationsverhalten" der Unternehmen mit Kunden und mit Zulieferbetrieben, betonte Schneider. (APA)

Share if you care.