Terrorbericht: Ein Geschenk an die Demokraten

2. Oktober 2006, 15:29
10 Postings

Republikaner vermuten gezielte Aktion hinter Veröffentlichung - Teile des Dokuments zum Download

US-Geheimdienstchef John Negroponte reagierte Montag auf die Veröffentlichung von Teilen des von April diesen Jahres bis jetzt geheim gehaltenen National Intelligence Reports (NIE) in der New York Times, eine Folge des Irakkrieges sei die Entstehung einer neuen Generation von radikalen Muslimen gewesen: Zum einen sei die Gefahr einer Attacke innerhalb der USA keineswegs größer als vor dem 11. September 2001, und zum anderen „sind wir wachsamer, wir sind besser vorbereitet, wir sind sicherer“.

Manche Republikaner hinterfragen den Zeitpunkt der Publizierung von Stellen aus einem nahezu ein halbes Jahr alten Bericht von allen 16 US-Geheimdienstorganisationen fünf Wochen vor den „mid-term elections“, da dieser eindeutig den Demokraten zugute käme: Sie behaupten, dass das, was aus dem Bericht bisher bekannt wurde, die stetigen Beteuerungen von Präsident George W. Bush, die USA seien zwar „noch nicht völlig sicher, aber doch sicherer“, widerlege, und werden nicht davor zurückscheuen, die Republikaner auf dem Gebiet anzugreifen, wo diese bisher am meisten gepunktet haben.

Mittlerweile haben auch die beiden Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses, der Republikaner Pat Roberts und der Demokrat Jay Rockefeller, die völlige Freigabe des fraglichen Geheimberichts gefordert. Die Fraktionsführerin der Demokraten im Kongress, Nancy Pelosi, empfiehlt dem Präsidenten, er möge doch seine eigenen Geheimberichte lesen, „bevor er eine weitere irreführende Rede über den Fortschritt im Krieg gegen den Terrorismus hält“.

Auch Expräsident Bill Clinton machte am Wochenende am Rande seiner äußerst erfolgreichen Clinton Global Initiative von sich reden – auf eine Frage in einem Interview mit dem rechtslastigen TV-Sender Fox, warum er während seiner Amtszeit nicht dafür gesorgt habe, Osama Bin Laden unschädlich zu machen, reagierte er mit einem Wutausbruch: Er habe jedenfalls in acht Jahren mehr Versuche unternommen als die Bush-Regierung in ihren ersten acht Monaten. „Ich habe es wenigstens versucht und ich habe versagt.“

Clintons Schlachtruf

Die Regierung Bush habe nach der Amtsübernahme trotz eindringlicher Warnungen seitens der scheidenden Clinton-Regierung nichts getan. Für viele Demokraten könnte sich Clintons scharfe Reaktion im Wahlkampf wie ein Schlachtruf auswirken – es scheint beinahe, als wolle der noch immer sehr populäre _Expräsident den Demokraten demonstrieren, auf welche Weise und mit welchen Fakten man auf die Vorwürfe der Schwäche gegenüber Terroristen antworten könne.

Auch Clintons Frau Hillary, die aller Voraussicht nach ihre Wiederwahl als Senatorin von New York gewinnen wird, steht in den Schlagzeilen: Der erzkonservative Pastor Jerry Falwell gab seiner Hoffnung Ausdruck, sie möge doch 2008 bei den Präsidentschaftswahlen kandidieren, denn „nichts würde meine Wählerschaft so motivieren, nicht einmal wenn Luzifer selbst kandidierte“.(Susi Schneider aus New York/DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2006)

Share if you care.