Flüchtlinge ins Meer geworfen: UNO untersucht Vorwürfe gegen Griechenland

10. Oktober 2006, 13:28
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Sechs Tote - Griechenland weist Vorwürfe zurück

Istanbul - Die griechische Regierung hat am Donnerstag erneut schwere Vorwürfe gegen den Küstenschutz zurückgewiesen. Danach sollten Beamte der griechischen Küstenwache illegale Einwanderer ins Meer geworfen haben, wobei mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen seien. "Wir dementieren diese Beschuldigungen", hieß es in einer Erklärung des griechischen Ministeriums für Handelsschifffahrt am Donnerstag. Die Beschuldigungen seitens der Einwanderer seien erfunden, hieß es weiter.

Vergangenen Dienstag waren in der rund acht Seemeilen breiten Meeresenge zwischen der türkischen Küste der Halbinsel Karaburun und der griechischen Ostägäisinsel Chios sechs illegale Einwanderer ertrunken. 31 andere Zuwanderer, die sich schwimmend an die türkische Ägäisküste retten konnten, bezichteten den griechischen Küstenschutz, sie zunächst festgenommen, dann mit einem Boot aufs Meer hinausgefahren und sie ins Wasser geworfen zu haben.

UNO untersucht Vorwürfe gegen Griechenland

Die Vereinten Nationen gehen nun diesen Vorwürfen nach. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR habe die griechischen und die türkischen Behörden um Auskunft gebeten, sagte der Sprecher des UNHCR-Büros in Ankara, Metin Corabatir, der Nachrichtenagentur AFP am Mittwochabend. UNHCR-Sprecher Corabatir sagte, seine Organisation wolle auch die Flüchtlinge selbst befragen. Die Menschen aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika hatten den türkischen Behörden zufolge ausgesagt, sie hätten in der Nacht zum Dienstag versucht, von der Türkei aus zur griechischen Insel Chios zu gelangen.

Dort seien sie von der griechischen Küstenwache festgenommen und in der Nähe des türkischen Festlandes ins Wasser geworfen worden. Die Leichen von sechs ertrunkenen Flüchtlingen wurden geborgen und inzwischen beigesetzt. Drei Menschen werden noch vermisst. Die übrigen 31 Flüchtlinge wurden in der Türkei in Gewahrsam genommen und sollen abgeschoben werden.

Die Türkei und Griechenland streiten sich seit langem über den Umgang mit Flüchtlingen, die versuchen, über die Türkei auf eine griechische Insel und damit in die EU zu kommen. Der türkische Außenamtssprecher Namik Tan sagte, in jüngster Zeit häuften sich Fälle, in denen Flüchtlinge von den griechischen Behörden in türkischen Hoheitsgewässern ausgesetzt würden. UNHCR-Sprecher Corabatir sagte, die UNO wolle ein Treffen von Vertretern der Küstenwachen Griechenlands und der Türkei zu Stande bringen, um die Zusammenarbeit beider Länder zu verbessern. (APA/dpa)

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