Wörtherseebühne: "Tragödie mit absehbarem Ausgang"

3. Oktober 2006, 15:39
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Rohbericht des U-Ausschusses - Gravierende Änderungen und Regressansprüche gegen Verantwortliche gefordert

Klagenfurt - Die Debatte um die Causa Wörtherseebühne reißt auch nach der Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft nicht ab. Der vom Kärntner Landtag eingesetzte Untersuchungsausschuss, der die Vorgänge rund um die Spielsaison 2004 aufklären sollte, übt in seinem vorläufigen Endbericht denn auch heftige Kritik an der Seebühne bzw. den politisch Verantwortlichen. Der Bericht ist vom U-Ausschuss noch nicht beschlossen.

"Wie eine Tragödie"

In dem 160 Seiten umfassenden Rohbericht, der der APA vorliegt, heißt es etwa, im Rückblick lese sich die Geschichte der Seebühne "wie eine Tragödie, deren vorläufiges Ende von Anfang an absehbar war". Insbesondere falle dabei ins Gewicht, dass es kein längerfristiges Konzept gegeben habe. Entscheidungen seien nicht konzeptiv, sondern anlassbezogen gefallen, die mit dem für die Saison 2004 engagierten Renato Zanella geplante Neupositionierung sei "auf Grund der unzureichenden Rahmenbedingungen" undurchführbar gewesen.

Politische Verantwortung

Die Rede ist von einem "finanziellen Desaster", allein im Jahr 2004 seien mehr als fünf Millionen Euro in die Bespielung der Bühne geflossen. Eigens hingewiesen wird in dem Rohbericht auch auf die politische Verantwortung des damaligen Kulturreferenten Landeshauptmann Jörg Haider (B), der sich mehrfach dazu bekannt habe, die Seebühne realisiert zu haben.

Die vorliegenden Protokolle der Zeugeneinvernahmen und die Unterlagen würden eine "permanente politische Einflussnahme" widerspiegeln. Dem Land Kärnten sei daraus materieller und ideeller Schaden entstanden.

Antragsentwurf

Der Ausschuss wolle daher einen Antrag an den Kärntner Landtag richten, um eine Wiederholung der Vorgänge auf Dauer auszuschließen. In dem Antragsentwurf wird unter anderem eine begleitende Kontrolle von Projekten durch den Rechnungshof - vor deren Realisierung - gefordert. Außerdem solle sichergestellt werden, dass "das Verhalten von Vertretern des Landes bei General- und Hauptversammlungen von Kapitalgesellschaften durch kollegiale Beschlussfassung festgelegt wird".

In dem Entwurf ist auch ein Misstrauensantrag gegen Haider wegen dessen politischer Verantwortung für das "künstlerische und wirtschaftliche Wörtherseebühne-Debakel" enthalten. Die Landesregierung soll zudem aufgefordert werden, Regeressansprüche gegen die Seebühnen-Geschäftsführer und den Ex-Intendanten geltend zu machen. Zudem solle die Leiterin des Kulturamtes aus ihrer Funktion abberufen werden.

Antrag an den Landtag

Der Endbericht muss noch zwischen den politischen Fraktionen des U-Ausschusses akkordiert werden, mit einstimmigen Beschlüssen - insbesondere was den Antrag an den Landtag betrifft - ist nicht zu rechnen. Wann die Diskussion der im U-Ausschuss vertretenen Parteien über den Endbericht stattfinden soll, steht noch nicht fest. (APA)

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