ARA senkt Lizenzgebühren teils kräftig

12. Oktober 2006, 14:21
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Gemischte Tonne Verpackungsmaterial verbilligt sich 2007 um fast zehn Prozent - Mitbewerber EVA hält Preispolitik für rechtswidrig

Wien - Die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) senkt mit 1. Jänner 2007 die Lizenzierungskosten um bis zu 40 Prozent. Die durchschnittlichen Kosten für die Sammlung und Verwertung einer gemischten Tonne Verpackungsmaterial sinken von 141 auf 132 Euro. In den vergangenen zwölf Jahren wurden die durchschnittlichen Lizenzierungskosten um 57 Prozent gesenkt, betonte ARA-Vorstand Christian Stiglitz am Dienstag. Möglich wurde dies durch die verbesserte Trennungsdisziplin der Österreicher, gestiegene Rohstoffpreise und teilweise ungeplante Überschüsse.

Demnach werden 2007 die Lizenzierungskosten für Transportverpackungen aus Papier um 7 Prozent auf 0,042 Euro verringert, jene für Einweg-Glasverpackungen um vorerst zumindest 12 Prozent auf 0,061 Euro. Eine maßgebliche Reduktion von 37 Prozent erfuhr auch die Packstoffgruppe Industrie/Gewerbe- & Große Kunststoffverpackungen (IGP). Außerdem kam es in dieser Packstoffgruppe zu einer Änderung der Zuordnungskriterien. Kunststoffsäcke mit einem Füllvolumen von mehr als 10 Litern (bisher ab 25 Liter) werden ab 1.1.2007 dem Tarif für Hohlkörper, Säcke, Netzsäcke, Kartuschen und Formkörper zugeordnet. Weitere markante Tarifsenkungen gibt es bei Keramik mit -41 Prozent und EPS (z.B. Styropor) mit -38 Prozent. Ferrometalle können zukünftig um 9 Prozent günstiger lizenziert werden, Kunststoffe klein um 2 Prozent und Materialverbunde um 13 Prozent.

EVA hält ARA-Preispolitik für rechtswidrig

Die Bekanntgabe der ARA sorgte am Montag unter Österreichs Altstoff-Verwertern allerdings für dicke Luft. Mitbewerber EVA - Erfassen und Verwerten von Altstoffen GmbH warf der ARA eine rechtswidrige Preispolitik vor. Die Preissenkungen seien "erst durch die jahrelange Bildung von enormen Rücklagen aus den laufenden - angeblich kostenorientierten - Lizenzeinnahmen möglich". Ein Gutachten von Universitätsprofessor Thomas Eilmansberger bestätige nun "die Rechtswidrigkeit des Verhaltens von ARA", so EVA-Geschäftsführer Franz Sauseng in einer Aussendung vom Dienstag.

Die Einrechnung der so genannten "Zufallsgewinne" in künftige Tarife verstoße zudem gleich zweifach gegen das Kartellrecht: Einerseits seien Unterkostentarife des Marktbeherrschers als missbräuchliche Kampfpreise zu qualifizieren und andererseits entstünden durch die Verwendung der Reserven für die nun angekündigten Tarifsenkungen eine Marktabschottung und sittenwidrige Kundenbindung zu Lasten der Kunden und der Wettbewerber, hieß es von EVA-Seite.

ARA: Vorwürfe nicht nachvollziehbar

"Es freut uns nichts mehr, als wenn sich die Konkurrenz über unsere geringen Preise auslässt", kommentierte daraufhin ARA-Chef Stiglitz die Vorwürfe. Die Verwendung von Rückstellungen zur Preissenkung begründete Stiglitz im Gespräch mit der APA mit einer anderen Kalkulation, die man eben als nicht gewinnorientiertes Unternehmen habe. "Wir führen seit 1995 die Überschüsse wieder an unsere Kunden zurück", so Stiglitz.

Die EVA ist ein Tochterunternehmen der in Köln beheimateten Interseroh AG. Die börsennotierte Aktiengesellschaft beschäftigt 1.400 Mitarbeiter an rund 70 Standorten in Europa. (APA)

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