Kopf des Tages: Karin Gastinger

Redaktion, 26. September 2006 02:59
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    Foto: apa/roland schlager

    Justizministerin Karin Gastinger (41) hat genug von den Orangen.

Eine Liberale, die nicht mehr orange sein will

Sie kam, kärntnerte unbefangen vor sich hin, lächelte freundlich und war auf eine unprätentiöse Art selbstbewusst: Karin Gastingers (41) erster öffentlicher Auftritt bei ihrer Präsentation als neue Justizministerin im Juni 2004 war ungewöhnlich und überraschend. Ähnlich überraschend kam am Montag ihr Austritt aus dem BZÖ, das der seit knapp eineinhalb Jahren amtierenden Vizechefin des Bündnisses spätestens mit den Ausländer-Deportationsplänen des neuen Parteichefs Peter Westenthaler das Orange gründlich verpatzt hat.

Sechs Tage vor der Wahl, bei der das BZÖ mit schwindenden Chancen um den Einzug ins Parlament kämpft, sagte die steirische BZÖ-Spitzenkandidatin dem Bündnis Adieu. „Ausländerfeindlich“ sei es. Da könne sie nicht mit.

Schon längere Zeit zeigten sich Entfremdungstendenzen zwischen der „einzigen echten Orangen“, die zuvor ja nie FPÖ-Mitglied war, wie sie selbst betonte, und ihrer politischen Heimat auf Zeit. Das Gefühl, auf Kollisionskurs mit der eigenen Partei – aber auch dem Koalitionspartner ÖVP – zu sein, konnte die junge Politikerin, die anfangs ob ihrer politischen Unerfahrenheit von vielen unterschätzt wurde, zur Genüge auskosten.

Die Juristin war mit ihren Positionen oft zu liberal. Den einen in der Ausländerfrage, den anderen gesellschaftspolitisch. Gastinger ist der personifizierte Pragmatismus. Ein Pragmatismus, der einem Realitätssinn geschuldet ist, der nicht auf Ideologien oder politische Programmatik abstellt, sondern fragt: In welcher Welt leben wir? In einer, in der die Vater-Mutter-Kind/er-Familie Konkurrenz bekommt durch Patchwork-Familien, wie Gastinger sie auch selbst lebt. Ihr Mann und Vater von Sohn Max hat zwei Kinder aus erster Ehe.

Gastinger wollte den zusammengewürfelten Wahlverwandtschaften mehr Rechte geben. Nein, sagte die ÖVP, ganz Hüterin des heilen Familienidylls. In welcher Welt leben wir? In einer, in der homosexuelle Menschen gleich berechtigt sein sollen, meinte die liberale Orange. Lieber später, blockte die Volkspartei.

Gastinger blieb konziliant und bereitete den nächsten Anlauf vor. Sie blieb beharrlich und wartete auf ihre Chance. Setzte an die Spitze des Straflandesgerichts Wiens nicht den von ihrem Vorgänger gepushten FP-nahen Kandidaten, sondern eine politisch nicht punzierte Frau. Eine, als die sie sich selbst gern sieht: „Ich bin ein politischer Mensch, aber kein parteipolitischer.“

Zuletzt dürften die Bauchschmerzen, die ihr der orange Wahlkampf, aber auch der Ortstafel-Krampf in Kärnten bescherten, immer stärker geworden sein. Eine ihrer Aussagen zum Thema Integration klingt nun vielsagend: „Ich fühle mich oft ein wenig allein zwischen der Aggressivität von ganz rechts und der Weinerlichkeit von links.“ (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe, 26. September 2006)

Kommentar posten
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onkel wuh
 
26.09.2006 21:07
naja, das fpbzö-sprungbrett zu einem versorgungsposten haben schließlich schon viele benützt...

hübsch und jung genügt doch in dieser partei.

ein bissl vorm haider rumkriechen hat sich für viele ausgezahlt. finanziell.

banause1
26.09.2006 17:07
mir

ist das gelinde gesagt wurscht, dass frau gastinger die bzötanic verläßt. dürften aber genug rettungsboote an bord sein für die rabaukentruppe. der restliche haufen holt sich am sonntag hoffentlich naße pfötchen.lg

sven hühnerjager1
26.09.2006 15:16
Komisches Land!!!

Wenn in einem Land die Liberalen auslanderfeindlich sind, sollte man nach den richtigen Rechtenparteien Ausschau halten.
Selbst die Sozialdemoktraten können sich von der Auslanderfeindlichkeit nicht distanzieren.
Ooh du schönes Land auf den Alpen!!!

airam suan1
 
26.09.2006 17:09

es g-i-b-t unterschiede zwischen der öesterreichischen auslaenderfeindlichkeit und anderer auslaenderfeindlichkeiten.

Corello
 
27.09.2006 08:01
und welche sollten das sein?

Martin Sommerfeld
26.09.2006 15:14
ein sinkendes Schiff

ein paar Tage vor der Wahl zu verlassen zeigt nicht gerade von viel Persönlichkeit...

airam suan1
 
26.09.2006 17:16
was wollen sie mit "persoenlichkeit" sagen?

abhaengigkeit?
Unterwuerfigkeit?

So ein Topfen
 
26.09.2006 15:52
die freunde vom bzö

und von der övp haben es nötig, von "persönlichkeit" oder charakter zu reden.

lebertran2
26.09.2006 14:52
Ihr habt ja alle so recht

Schon mal überlegt dass, das "liberale"(was immer das denn sein soll) Element wohl nur stärker werden kann wenn man auch "Konvertiten" zulässt? Ist ja unglaublich selbstzufrieden einem Menschen jeglichen Fehler ewig vorzuhalten. Faktum ist, dass jeder einzelne Vorschlag der Ministerin in ihrem Fachbereich äusserst vernünftig und ausgewogen war. Faktum ist dass die aktuelle Praxis des Ministeriums ebenfalls vernünftig und ausgewogen ist und dabei sogar die Justiz als solches ständig "overruled" wird (z.b. begnadigungen). Aber ihr habt schon recht "fein sein beieeinander bleiben" nur wer schon in der mittelschule ein aufrechter linker war (obwohl wer war das nicht) hat das recht was zu sagen.

sheik yerbouti
26.09.2006 17:22
Naja,

von "ewig vorhalten" kann zumindest vorerst keine Rede sein, der Rücktritt war ja erst gestern.
Bei der (vorgeblichen?) Naivität der Frau Gastinger muß sie sich ein bisserl Stirnrunzeln schon gefallen lassen, wie ich meine.

sheik yerbouti
27.09.2006 13:28
und noch was:

mit dem "liberalen element", das stärker werden kann, werden sie doch wohl nicht die ÖVP meinen, ihres zeichens wahrscheinlichster anlaufhafen für das gastinger´sche schlauchboot.

So ein Topfen
 
26.09.2006 15:53
allerdings,

man muss eingestehen, dass die spö in vielen fragen die gastinger rechts überholt. die würde nicht die schlechteste figur abgeben in einer neuen regierung.

sheik yerbouti
26.09.2006 14:36
NEIN!

Das BZÖ? Ausländerfeindlich?
Aber jetzt wo Sie es sagen, Frau Gastinger, da fällt es mir auch wie Schuppen von den Augen.
Wenn so eine aufgeweckte Person wie Sie jetzt auch noch zur restlichen ÖVP-Wundertruppe stößt, bleibt mir wohl nichts mehr übrig, als diese weltoffenen, zukunftsorientierten und "besten Könner" auch mit meiner Stimme zu würdigen.

prof. mantak
 
26.09.2006 14:18
Sie ist doch ohnehin "unter der Haube" -

da muss man sich keine Gedanken machen.

;o)

Miss Undercover
26.09.2006 14:28
Manche UNTER der Haube wollen oft auch noch DARÜBER eine Haube!

Zomby Woof
26.09.2006 13:41
Morgen kommt sie dann drauf...

...dass der Papst Katholik ist. Und dann tritt sie aus Protest aus der Kirche aus.

WBR
26.09.2006 14:23
Ist sie denn katholisch?

Würde mich eher wundern. Einerseits aus einer SPÖ-Familie, andererseits aus dem (Ex-)FPÖ-Umfeld, wo sich eher Protestanten und "Ungläubige" tummeln.
Stadler ist diesbezüglich eine Ausnahme.

HRHansen
26.09.2006 12:28
ich bleib dabei...

das ist DOMINIK HEINZL.

die ÖVP zieht ein verwirrspiel auf! aufpassen!

Maverick .at
26.09.2006 15:50
*unterschreib*

ich wollte exakt das gleiche posten. es IST dominik heinzl.

michael streuleitner
26.09.2006 13:58
....

ROFL...
unglaublich die Ähnlichkeit

Neil McCauley
26.09.2006 12:10
Die Ratten

verlassen das sinkende Schiff...

. Diogenes
26.09.2006 11:25
Wer sich mit Hunden ins Bett legt, wird mit Flöhen aufwachen....

Hat die Dame die letzten 20 Jahre hinter dem Mond
verbracht oder war sie wirklich so naiv nicht zu
wissen, mit wem sie sich da eingelassen hat? Die
FPÖ/BZÖ oder wie auch immer dieses Ding heissen
mag, ist nicht erst seit dem Amtantritt Westenthalers
fremdenfeindlich, das war wohl jedem klar denkendem
Menschen bewußt, dazu mußte man kein politischer
Insider sein. Jetzt im Angesicht des sinkenden
Schiffes dieses verlassen zu wollen ist wohl eher
politischem Selbsterhaltungstrieb als später Einsicht
zu verdanken. KHG und Heide Schmidt lassen grüßen

Das Blaue vom Himmel
26.09.2006 11:51
Die Dame war nie FPÖ-Mitglied

sondern ist erst dem neuen BZÖ beigetreten (wohl auch nicht ganz ohne Nachdruck aus dem Süden, darf man annehmen).

. Diogenes
26.09.2006 12:16
So what?

Was ist der Unterschied? Sie hat sich von allem
Anfang an als Haiders Boxenluder verstanden, der
Umstand, dass die Farbe der Verpackung von Blau auf Orange geändert wurde hatte null Auswirkung
auf die Tatsache, dass es sich vorher wie nachher
um die gleiche Bande gehandelt hat.

uinsel
26.09.2006 12:28

hm, das BZÖ ist nicht per se fremdenfeindlich, die würden auch predigen, aliens freien unizugang zu ermöglichen, wären damit massig stimmen zu kriegen. die sind schlicht populistisch. die versprechen einfach alles für die wählergunst. und die gastinger hat seit anfang an gesagt, dass die deportierung von 300.000 ausländern totaler blödsinn ist und es dem wahlkrampf zugeschrieben.
allerdings glaub ich spielt da mit sicherheit kalkül mit. die wird nicht umsonst zu genau diesem zeitpunkt das BZÖ verlassen, bei der hat man eh schon immer den eindruck ghabt, die sei in wahrheit schwarz.
und dass die FPÖ BZÖ gebilde personell ziemlich instabil sind, haben uns ja die letzten 8 jahre oft bewiesen.
also überrascht hats mich nicht.

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