Kommentar: Schachmatt in Pasching

3. Oktober 2006, 15:07
5 Postings

Im Kasperltheater ist Schluss mit lustig - von Markus Rohrhofer

In Pasching ist immer Fasching, beliebte Bürgermeister Fritz Böhm (SPÖ) gerne zu sagen. Doch in Wahrheit ist in der 6000-Einwohner-Gemeinde schon seit Langem Schluss mit lustig. Der Gemeinderat trifft sich regelmäßig zum gemeinsamen Kasperltheater auf Steuerzahlerkosten, effektive Arbeit im Sinne der Bürger hat dort nichts mehr verloren. Das "böse" Krokodil trägt Glatze sowie ausschließlich schwarze Kleidung und haut den Kommunal-Darstellern im Gemeinderat gern verbal eine auf den Kopf. Die ziehen dann selbigen beleidigt ein und in weiterer Folge meist geschlossen aus. Tri, tra, tralala, die Sitzungsgelder gibt's deswegen a'.

Man kann zum Ortskaiser stehen, wie man will. Faktum ist, dass er das Gemeinderecht gern nach seinen eigenen Vorstellungen auslegt und sich zum Teil in einem rechtlichen Graubereich bewegt. Dafür hat Böhm letztlich auch eine rechtskräftige Verurteilung wegen schweren Betrugs, Amtsmissbrauch und Untreue kassiert. Böhm allein die Schuld an der Situation in Pasching zu geben, wäre dennoch falsch. Er ist nicht erst seit gestern Porschefan, Barolo-Schlürfer, Trüffel-Kaiser und aufmüpfiger Zeitgenosse. Über Jahre hat man im Gemeinderat die Ausritte Böhms toleriert, wenn nicht unterstützt. Zur Erinnerung: Auch die Bestellung Böhms zum umstrittenen Geschäftsführer beruht auf einem Beschluss des Gemeinderates.

Während des Prozesses gegen den Paschinger Bürgermeister forderte Richter Erich Jahn den Gemeinderat auf, stärker zu kontrollieren. Doch irgendwie wurde da etwas missverstanden: Die Parteien haben sich geschlossen zum Feldzug gegen Böhm formiert, selbst die eigenen Genossen ziehen mit. Und der Bürgermeister schießt, seinem Naturell entsprechend, scharf zurück. Patt für Kasperl und Krokodil, Schachmatt für Pasching. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 26.09.2006)

Share if you care.