Bankenaufseher am Pranger

11. Oktober 2006, 15:22
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Korruptionsaffäre belastet obersten deutschen Finanzkontrolleur

Berlin - Es ist kein leichter Gang, den Jochen Sanio am heutigen Dienstag antritt. Der Chef der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) muss seinem Verwaltungsrat über Korruption Auskunft geben. Nicht über jene, die seine Behörde aufgedeckt hat, sondern warum Sanios Kontrollsystem im eigenen Haus versagte und ein Mitarbeiter 2,6 Millionen Euro veruntreuen konnte, indem er Scheinrechnungen für Computersoftware ausstellte.

Die Affäre, in der auch noch gegen andere Mitarbeiter ermittelt wird, hatte die BaFin in ungünstiges Licht gerückt, rühmt sich Sanio, oberster Kontrolleur von Kreditinstituten, Finanzdienstleistern, Versicherern und Wertpapierhandelsunternehmen doch selbst: "Solange ich hier Präsident bin, wird diese Institution beißen. Schlappschwänze sind hier fehl am Platz."

Seine Strenge haben einige zu spüren bekommen: Bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB) deckte er schwere Mängel bei der Risiko-Kontrolle auf. Die Privatbank Reithinger ließ er wegen "ungenügender wirtschaftlicher Transparenz" schließen. Doch nun wirft ihm ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers schwere Versäumnisse in der Betrugsaffäre vor.

Sanio hat Versäumnisse bei der internen Kontrolle eingeräumt und arbeitet an einem Konzept zur Verbesserung. Während die Banken hinter ihm stehen, berichtet das Handelsblatt von atmosphärischen Störungen zwischen ihm und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), dessen Rechtsaufsicht die BaFin unterliegt. Der will Sanio die Entlastung für 2005 so lange verweigern wie die Staatsanwaltschaft ermittelt. (Birgit Baumann, Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2006)

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