1,5 Milliarden für AKW Mohovce

6. Oktober 2006, 08:35
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Enel investiert in der Slowakei

Cagliari, Der italienische Enel-Stromkonzern investiert rund 1,5 Mrd. Euro in das Atomkraftwerk Mohovce in der Slowakei. Mit den Ausbau- und Modernisierungsarbeiten – insgesamt werden neue Kapazitäten von 880 MW geschaffen – wird 2007 begonnen. Dies bestätigte der für die Enel- Auslandspolitik verantwortliche Andrea Bretan vor Journalisten in Cagliari. Ein Teil der in Mohovce erzeugten Atomenergie soll exportiert werden. Italien hat auf Grund eines Volksbegehrens im Jahr 1986 die Erzeugung von Atomenergie abgeschafft. Derzeit werden aber bereits 15 Prozent des Energiebedarfs durch die vor allem aus Frankreich importierte Kernenergie gedeckt.

Als Enel vor zwei Jahren die slowakische Slovenské Elektrárne und damit auch Mohovce erwarb, wurde der Start zu einer breit angelegten Ostpolitik gelegt. Da Enel infolge der Strommarktliberalisierung nicht mehr im Inland wachsen darf, konzentriert sich der inzwischen weit gehend privatisierte Konzern auf den Gasmarkt und das Ausland.

Weltweit die Nummer vier

Inzwischen verfügt der Stromkonzern im Ausland über Kapazitäten von 11.000 MW. Damit rangiert Enel weltweit auf Platz vier. Nachdem Enel derzeit rund 15 Mrd. Euro in der Kriegskasse hat, ist auch in naher Zukunft mit einer kräftigen Akquisition im Ausland zu rechnen. In Italien selbst musste Enel innerhalb der letzten vier Jahre Kapazitäten von 15.000 MW abgeben. "Wir haben mit der Expansion im Ausland die Markteinbußen im Inland nahezu wettgemacht", meinte Brentan.

Bei der Ostexpansion zielt Enel verstärkt auf Russland. Dabei konzentriert sich die Gruppe vorerst auf drei Unternehmen, die die Moskauer Regierung zum Verkauf gestellt habe. Ein Konsortium, an dem Enel zu 19 Prozent beteiligt ist, habe außerdem gute Chancen, die sibirische Gas-Sparte Arctigas des mittlerweile zerschlagenen Ölriesen Yukos zu kaufen. Während der ersten sechs Monate hatte Enel bereits knapp die Hälfte des russischen Stromhändlers Rusenergosbyt, mehrere kleine Gesellschaften und Anlagen in Brasilien sowie zwei Drittel des rumänischen Versorgers Electrica Muntenia Sud erworben.

Umbau der Ölkraftwerke in Italien

Um die von der EU-Kommission Brüssel geforderte Energieeffizienz zu fördern, baut Enel derzeit eine Vielzahl seiner Erdölkraftwerke um. Enel hat einen Anteil von rund einem Drittel an der landesweiten Stromproduktion und will bis 2010 sämtliche Ölkraftwerke in mit Erdgas betriebene Zentralen oder in Kohlekraftwerke umbauen.

Derzeit machen Wind-, Sonnen- und Biomasseenergie erst knapp 2 Prozent des Angebots aus. Weitere 15 Prozent entfallen auf Wasserkraftwerke. Die Regierung plant im Rahmen des Haushaltsgesetzes 2007 nicht nur die Herstellung von erneuerbaren Energien steuerlich zu unterstützen, sondern auch Energiesparen entsprechend zu fördern. (Thesy Kness-Bastaroli, Cagliari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2006)

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