Kunstaktion mit Hundekot und Wahlplakaten

2. Oktober 2006, 12:28
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Filmemacher Peter Kern will am Mittwoch den gesammelten Kot "sanft, aber liebevoll" auf den "hetzerischen" Plakaten anbringen - FPÖ empört, BZÖ wenig beeindruckt

Wien - Der Filmemacher Peter Kern will im derzeitigen Nationalratswahlkampf zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Weil er nach eigenen Angaben unter "hetzerischen" Plakaten von FPÖ und BZÖ leidet und Wien von Hundekot "zugeschissen" sei, will er erstere mit letzterem beschmieren. Die "Kunstaktion" werde am kommenden Mittwoch am Wiener Naschmarkt stattfinden, sagte er. Die FPÖ reagierte empört, das BZÖ wenig beeindruckt.

Gegen Kerns Filmsatire "Haider lebt - 1. April 2021" gab es 2000 heftige Proteste

"Ich bin schon jetzt am Sammeln", so Kern. Die tierischen Exkremente plane er "sanft, aber liebevoll" in die plakatierten Gesichter von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und BZÖ-Chef Peter Westenthaler zu drücken. Kern ist für die Freiheitlichen kein Unbekannter: Im Jahr 2002 produzierte er die Science Fiction-Filmsatire "Haider lebt - 1. April 2021". Von der Kärntner FPÖ gab es damals heftige Proteste wegen der im Film enthaltenen Ermordung Jörg Haiders.

Von "hetzerischen" Plakaten angewidert

Von Wahlkampfslogans wie "Daham statt Islam" der Strache-FPÖ ist Kern ebenso angewidert, wie von den Plakaten des BZÖ. "Auch die ÖVP ist nicht weit davon entfernt", meinte er. Früher seien solche Plakate wenigstens heruntergerissen oder die handelnden Personen mit Hitler-Bärtchen bemalt worden. Das geschehe heute kaum mehr, so Kern: "Also muss man diese eine Kunstaktion machen."

Kern glaubt nicht an Mitstreiter

Kern glaubt zwar, dass er bei seiner für Mittwoch, 13.00 Uhr angesetzten Aktion unter dem Titel "Hundekot rettet den Verstand" allein zu bleiben. Trotzdem hat er per E-Mail zum Mitmachen aufgerufen. Welche Plakate die Teilnehmer beschmieren werden, überlässt er ihrem eigenen Urteil: "Der Bürger ist aufgerufen, den Hundekot nach seinem Gewissen künstlerisch am richtigen Plakat zu platzieren", heißt es in der Einladung.

Reaktion der angesprochenen Parteien

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky reagierte auf die Ankündigung mit Empörung. "Der sollte sich einmal durchuntersuchen lassen, der Herr", sagte er: "Ich glaube, ein Fäkalkünstler richtet sich irgendwie selbst." Sollte es zu Beschädigungen von Plakaten kommen, werde man Kern die Rechnung dafür zukommen lassen.

BZÖ-Sprecher Lukas Brucker zeigte sich unbeeindruckt. "Sollte es zu allfälligen Zerstörungen der Plakate kommen, werden wir gemäß den entsprechenden rechtlichen Bestimmungen reagieren", meinte er. Weiter wollte man sich im BZÖ zu der Aktion nicht äußern. (APA)

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    grafik: derstandard.at
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