Spionage-Vorwürfe gegen Inter

19. Oktober 2006, 15:16
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Jetzt gerät auch der selbst ernannte "Meister der Ehrlichen" ins Visier - Italiens Verband will Ermittlungsverfahren einleiten

Mailand - Ausgerechnet vor dem Champions-League-Hit am Mittwoch (20:45 Uhr/live ORF 1) gegen Bayern München ist auch Inter Mailand vom italienischen Fußball-Skandal eingeholt worden. Der selbst ernannte "Meister der Ehrlichen" soll 2002 einen Detektiv auf den früheren Star-Schiedsrichter Massimo De Santis angesetzt, mit Hilfe von Verbindungen zur Telecom Italia seine Telefone illegal abgehört und seine Konten ausspioniert haben. Der Italienische Fußball-Verband (FIGC) wolle gegen Inter Mailand ein Ermittlungsverfahren wegen Unsportlichkeit einleiten, berichtete die "Gazzetta dello Sport" am Montag.

"Dies ist völlig aus der Luft gegriffen. Inter hat damit nichts zu tun", wies Klub-Besitzer Massimo Moratti umgehend alle Vorwürfe zurück. Noch vor wenigen Wochen hatte der FIGC Inter Mailand nachträglich zum Meister ernannt, nachdem Juventus Turin und der AC Milan wegen ihrer Verwicklung in die Liga-Manipulationen verurteilt worden waren. Nun stehen die "Saubermänner" jedoch selbst am Pranger.

Auf eigene Faust

2002 soll der damalige Inter-Präsident Giacinto Facchetti von Schiedsrichter Danilo Nucini auf seltsame Kontakte zwischen dem damaligen Juve-Manager Luciano Moggi und De Santis hingewiesen worden sein. Da Nucini seinen Verdacht nicht der Staatsanwaltschaft gemeldet habe, habe Inter selbst ermittelt: Der engangierte Detektiv habe dank seiner persönlichen Kontakte zum Telecom-Manager Giuliano Tavaroli nicht nur De Santis und dessen Frau illegal abhören können, sondern auch den damaligen FIGC-Chef Franco Carraro und andere Top-Manager. Manipulations-Beweise gegen De Santis habe die Detektei aber nicht finden können, berichtete "La Gazzetta dello Sport" am Montag.

Für Aufsehen sorgt die Spionage-Affäre vor allem wegen der Kontakte zu Telekom-Manager Tavaroli. An den hatte sich 2004 auch die Staatsanwaltschaft Neapel mit der Bitte um Abhörung der Telefone von Moggi und dessen mutmaßlichen Komplizen gewandt. Tavaroli habe daraufhin seinen Vorgesetzten Carlo Buora informiert. Der wiederum ist Vize-Präsident von Inter Mailand.

Große Unruhe

Die Spionage-Affäre sorgt bei Inter Mailand vor dem wichtigen Duell mit dem FC Bayern am Mittwoch für große Unruhe: Nach der 0:1-Niederlage in Lissabon stehen die Italiener unter Erfolgsdruck. "Inter war in Lissabon schwach, hat sich aber gefangen und ist gegen uns Favorit", sagte Bayern-Vorstand Karl Heinz Rummenigge. Der ehemalige Inter-Stürmer trifft zum ersten Mal seit seinem Abschied 1987 wieder auf seinen Ex-Klub und wäre dort "bereits mit einem Unentschieden zufrieden".

Das reicht Inter nicht: "Wir müssen voll konzentriert gegen die Bayern spielen", fordert Trainer Roberto Mancini. Nach dem 4:3-Sieg über Chievo Verona ist Inter zum ersten Mal seit 43 Monaten wieder alleiniger Tabellenführer der Serie A. "Ein gutes Omen", meinen die Tifosi. "Die wollen natürlich, dass Inter den nachträglich verliehenen Titel nun auch auf dem Platz gewinnt", weiß Rummenigge.(APA/dpa)

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