Die Heimat lockt nur wenig

2. Oktober 2006, 12:49
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"Austrian Science Talk": Österreichische Forscher sehen in den USA einfach mehr Chancen - Rückkehr eher nicht wahrscheinlich

New York/Wien - Das Interesse von in den USA arbeitenden österreichischen Wissenschaftern an ihrer Heimat ist groß. Das zeigte die hohe Teilnehmerzahl am dritten "Austrian Science Talk", der am Wochenende im Rahmen des Programms "Brainpower" vom Infrastrukturministerium (bmvit) in New York veranstaltet wurde. Mehr als 100 österreichische Forscher nahmen daran teil. Deutlich wurde dabei aber auch eine gewisse Hoffnungslosigkeit, was eine mögliche Rückkehr in die Heimat betrifft.

Philipp Schnabl, Ökonom an der Harvard University, brachte es in einer Wortmeldung auf den Punkt: "An US-Hochschulen gibt man den jungen Wissenschaftern das Gefühl, ihr seid die Zukunft dieser Universität. Diesen Eindruck habe ich in Österreich nicht."

"Mehr Selbstkritik und weniger Beschönigung"

Eine hochrangige Delegation aus Österreich vermittelte den Forschern mit rot-weiß-roten Wurzeln ein Bild über die Entwicklungen im Innovations- und Hochschulsystem, darunter etwa der Vize-Chef des Forschungsrats, Günther Bonn, der Chef der Rektorenkonferenz, Christoph Badelt, der Leiter des Bereichs Innovation im bmvit, Ingolf Schädler, der Chef-Technologe der Telekom Austria, Helmut Leopold, oder der Geschäftsführer von Berndorf Band, Franz Viehböck. Eva Schernhammer, erfolgreiche Medizinerin in Harvard und seit 2005 Vorsitzende des mittlerweile 800 Mitglieder zählenden Vereins ASCINA (Austrian Scientists and Scholars in North America), anerkannte diese Bemühungen, würde sich aber "mehr Selbstkritik und weniger Beschönigung" wünschen.

Dabei zeichneten die aus Österreich eingeflogenen Vortragenden, vor allem was die eingeschränkten Beschäftigungsmöglichkeiten an den Unis anbelangt, ein durchaus realistisches Bild: So sprach Bonn von einem nach wie vor noch nicht leistungsorientierten System an den Unis und Badelt von "verstopften Karrierewegen". "Im Augenblick gibt es eine Wissenschaftergeneration, der auf Grund von Fehlern in der Vergangenheit die Chancen genommen werden", sagte Badelt im Hinblick auf die zahlreichen Posten, die auf Grund von Pragmatisierungen zum Teil auf Jahrzehnte nicht frei würden. Kurzfristig könne man dies nur durch Expansion wettmachen, für eine langfristige Lösung seien die notwendigen Schritte in der Vergangenheit schon gesetzt worden, etwa die Abschaffung der Pragmatisierung. Gerade vor der Nationalratswahl habe es aber wieder "eine starke Tendenz gegeben, erneut Pragmatisierung für Jedermann zu versprechen", befürchtet der Rektorenchef einen "Backlash".

Wenn - Dann

Schernhammer stört dieses "Abfinden mit Gegebenem" und fordert Maßnahmen. "Wir hören immer wieder, wir seien die Generation, die Pech gehabt habe", und gleichzeitig werde gesagt, dass sich in den nächsten Jahrzehnten nichts tun werde. "Viele würden gerne zurück, aber es fehlen die Möglichkeiten", so die Medizinerin. Dadurch würden gute Leute sich wieder woanders hin orientieren.

Eine Möglichkeit bietet sich in der Wirtschaft: Nachwuchsförderung sei ein zentrales Anliegen, wenn es darum gehe, die Spitzenposition Österreichs als Innovationsstandort zu erhalten und auszubauen, meinte Gerhard Riemer, Bereichsleiter für Bildung und Forschung in der Industriellenvereinigung. In der Wirtschaft gebe es durchaus Jobs, das zeige auch eine neue, noch unveröffentlichte Studie, wonach es in der Wirtschaft an hoch qualifizierten jungen Forschern mangelt.

Das "Brainpower"-Programm

Ausgebaut wird das "Brainpower"-Programm, über dessen Website seit Beginn im Jahr 2004 bereits knapp 1.000 Jobs angeboten wurden und in dem derzeit mehr als 600 User registriert sind. So soll es ab Anfang Oktober eine umfassende Darstellung aller online ausgeschriebenen F&E-Jobs in Österreich auf der Website geben, so die Programmverantwortliche im Infrastrukturministerium, Gertraud Oberzaucher. Zudem werden die finanziellen Unterstützungen erweitert: Neben dem 80-Prozent-Reisekostenzuschuss für Vorstellungsgespräche in Österreich soll es auch Reise- und Aufenthaltskosten für Forscher aus dem brainpower-Netzwerk für Vorträge in Österreich geben. Und das bisher auf die Austrian Research Centers (ARC) beschränkte Stipendienprogramm wird auf die Forschung Austria (Dachverband von ARC, Joanneum Research, Austrian Cooperative Research, etc.) ausgeweitet. (APA)

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