Schon bronzezeitliche Handwerker untersuchten die Himmelsscheibe von Nebra

2. Oktober 2006, 14:59
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Kerbe auf der Rückseite weist auf Bearbeitung mit Meißel hin: "Von den damaligen Menschen wie eine Material-Teststrecke benutzt"

Berlin/Halle - Das Material der 3.600 Jahre alten "Himmelsscheibe von Nebra" ist bereits in der Bronzezeit von mehreren Handwerkern untersucht worden. "Das beweisen unsere Forschungen auf der Rückseite der Bronzescheibe", sagte Archäologie-Chemiker Christian-Heinrich Wunderlich vom Landesmuseum für Vorgeschichte (Halle) am Montag auf der 9. Europäischen Konferenz für zerstörungsfreie Materialprüfung in Berlin.

Auf der Scheiben-Rückseite zeigt eine etwa sechs Zentimeter lange und einen Millimeter tiefe Kerbe, wie intensiv der Meister die Härte des Scheibenmaterials und die Härte seines eigenen Meißels ausprobierte. Fazit: "Die schmucklose Rückseite der Himmelsscheibe wurde von den damaligen Menschen wie eine Material-Teststrecke benutzt."

Schonende Tests

Für die Menschen der Bronzezeit sei die Himmelsscheibe sehr wertvoll gewesen, sagten die Forscher. Sie sei maximal 400 Jahre im Gebrauch gewesen. Während dieser Zeit habe es mehrere Veränderungen an der Scheibe gegeben. "Das Problem war, die Scheibe durfte auf keinen Fall zerstört oder entweiht werden", erklärte Wunderlich.

Um sicher zu gehen, dass sie beim Umarbeiten keine Fehler machen, hätten die Handwerker der späteren Generationen für ihre Materialtests die Rückseite der Himmelsscheibe genutzt.

Nach den aktuellen Erkenntnissen wurde die Himmelsscheibe fünf Mal verändert und funktionierte als komplexe astronomische Uhr, die Sonnen- und Mondkalender miteinander verknüpfte.

Ausstellung

Die Himmelsscheibe wird vom 29. September an mit anderen Funden aus der Bronzezeit in einer großen Ausstellung in Basel (Schweiz) gezeigt. Zwei bereits verurteilte Raubgräber hatten die Scheibe zusammen mit einem Bronzeschatz 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra entdeckt. Die Polizei konnte im Februar 2002 bei einer fingierten Verkaufsaktion im Basler Hilton Hotel (Schweiz) den Schatz sichern. (APA/dpa)

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