Kleinere Mobilfunker werden zu Übernahmekandidaten

10. Oktober 2006, 15:12
posten

Ausstieg von E.ON bei One könnte sich "ein paar Jahre hinziehen" - Trend zu Zusammenschlüssen und Zukäufen am Telekommarkt verstärkt sich

Wien - Telekomunternehmen mit unter 20 Prozent Marktanteil werden mittelfristig durch unzufriedene Aktionäre und hohe Fixkosten - etwa bei der Netzinfrastruktur - unter Druck geraten und damit zu Übernahmekandidaten, erklärte Ralph-Peter Seraphim, Partner des Beratungsunternehmens Accenture, heute, Montag, beim IIR-Jahreskongress "tel.con 06" in Wien.

"Nach der erfolgten Kostenkonsolidierung suchen die Unternehmen wieder verstärkt nach Wachstumsmöglichkeiten. Stabile Ertragslagen und anziehende Börsenkurse unterstützen diese Entwicklung", so Seraphim. Trotz des harten Wettbewerbs seien die erzielten Margen durchaus attraktiv. Der Trend zu Zusammenschlüssen und Übernahmen am Telekommarkt werde sich deshalb fortsetzen. Dies habe sich auch in Österreich gezeigt: "Tele2 kauft UTA, UPC Telekabel schnappt sich Inode, T-Mobile übernimmt tele.ring und eTel akquiriert EUnet. Erwartet wird außerdem ein kurzfristiger Wechsel in der Eigentümerstruktur von One, konkret der Ausstieg von E.ON", sagte der Experte.

"Diese Diskussion geht jetzt ins sechste Jahr. Die Aussagen der deutschen Kollegen - zügig, aber ohne Hast - können auch bedeuten, dass sich das ein paar Jahre hinzieht", relativierte One-Marketingchef Michael Fried. Zustimmung zur "20 Prozent-These" kam hingegen von T-Mobile: "Ähnliche Theorien haben zum Kauf von tele.ring geführt", so Klaus Steinmaurer, Rechtsexperte beim zweitgrößten heimischen Mobilfunker. Die Vorbehalte, dass sich durch die Übernahme die Endkundenpreise erhöhen könnten und "generell alles schlechter wird", hätten sich in Luft aufgelöst.

Kooperationen bringen Vorteile

"Es muss nicht immer ein Zukauf sein. Auch Kooperationen mit globalen Playern bringen große Vorteile", spielte Mobilkom-Manager Klaus Stadlbauer auf die Einbettung in das weltweite Netzwerk von Vodafone an. In dieselbe Kerbe schlug auch Bernhard Wiesinger von Hutchison 3G ("3"): "Am relativ klein strukturierten europäischen Markt sind Kooperationen notwendig, um innovative Dienste kostengünstig anbieten zu können", so Wiesinger. Nur positive Auswirkungen auf die Kunden durch Akquisitionen und Partnerschaften ortet Ericsson Austria-Geschäftsführer Peter Zehetner: "Alles wird schneller, günstiger und bequemer."

Eine deutliche Zunahme der Aktivitäten bezüglich Zusammenschlüssen und Übernahmen am Telekommarkt steht für Accenture-Partner Seraphim außer Frage. Schwerpunkte dabei seien die Erschließung neuer Märkte, die Optimierung der Marktposition und das Schließen technologischer Lücken. Globale Telekomunternehmen hätten großes Interesse daran, Betreiber mit eigener Infrastruktur zu übernehmen, um ein durchgängiges Netz hin zu den Wachstumsmärkten in Zentral- und Osteuropa zu etablieren.

Ein weiterer Trend sei der Einstieg von Unternehmen - beispielsweise aus der Energiewirtschaft - ins Breitbandgeschäft. Dadurch werde sich der Wettbewerb noch verschärfen, gab sich Seraphim überzeugt. Verstärkte Aktivitäten in diesem Bereich erwartet er bereits in den kommenden sechs bis zwölf Monaten. (APA)

Share if you care.