2. Oktober 2006, 11:21
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Die Zeit, da die französische Gratispresse Empörung bei den Medienmachern und Proteste bei den Gewerkschaften auslöste, scheint in ferner Vergangenheit zu liegen. Nunmehr häufen sich kostenlose Blätter im ganzen Land, und sie erreichen bessere Leser- und Werbeergebnisse als ihre kostenpflichtigen Konkurrenten. Nach Angaben der Studie EPIQ (Etude d'audience de la presse quotidienne) nahmen die Leser der Gratispresse in einem Jahr um 9,8 Prozent zu.

"20 Minutes" überholt "Le Monde"

"20 Minutes" überholte mit 1,9 Mio. Lesern pro Tag die renommierte Pariser Abendzeitung "Le Monde" (1,7 Mio.). An dritter Stelle folgt die zweite Gratiszeitung "Metro" mit 1,4 Mio. Lesern. Laut einer Schätzung des Unternehmensberaters Precepta ist die Gratispresse mit 130 Mio. Euro Werbeeinnahmen in diesem Jahr "dynamischer als die Zahlpresse".

Angesichts dieses Aufschwungs hat "Metro" beschlossen, seine Auflage seit dem vergangenen 18. September auf 880.000 Exemplare anzuheben. Sein Konkurrent "20 Minutes" folgt am 2. Oktober, dann wird die Auflage von 800.000 auf 870.000 Exemplaren zunehmen. Nach einem ersten Test im vergangenen Juni hat der Industrielle Vincent Bolloré vergangenen Montag die erste kostenlose Abendzeitung "Direct Soir" in 800.000 Exemplaren auf den Markt gebracht.

Bolloré verbundet sich mit "Le Monde"

Bolloré hat sich überdies mit "Le Monde" verbündet, um ab November eine neue kostenlose Morgenzeitung im Paris Großraum auf den Markt zu bringen. Bollore und "Le Monde" wollen nach eigenen Angaben das Vertriebsnetz der Gratiszeitungen "Ville Plus" übernehmen, das von Regionalzeitungen ins Leben gerufen wurde. "Ville Plus" wird in der Pariser Region in 600.000 Exemplaren verteilt und in der Provinz in 240.000. (APA)

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