Petrom will Restrukturierung bis Ende 2008 abschließen

10. Oktober 2006, 14:25
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Bisher wurden 19.000 Arbeitsstellen bei Rumänien-Tochter abgebaut - Einstieg ins Stromgeschäft wird geprüft

Bukarest/Wien - "In zwei bis zweieinhalb Jahren" will die OMV die Restrukturierung bei ihrer Rumänien-Tochter Petrom abgeschlossen haben. Das sagte der stellvertretende Petrom-CEO Werner Schinhan vor Journalisten in Bukarest. Innerhalb von nur zwei Jahren wurde die Belegschaft von ursprünglich 57.000 auf 38.000 reduziert - der endgültige Zielwert dürfte unter 30.000 Mitarbeitern liegen, "davon können Sie ausgehen", bestätigte Schinhan.

Es habe betriebsbedingte Kündigungen gegeben, aber der Personalabbau verlaufe "reibungslos" nach dem mit den Gewerkschaften vereinbarten Sozialplan, sagte Schinhan dieser Tage in Bukarest. Im Vorjahr hätten die Restrukturierungskosten 180 bis 200 Mio. Euro betragen.

"Tendenz ist gut"

"Die Petrom ist für die nächsten zehn Jahre eines der wichtigsten Assets im OMV-Konzern, wenn nicht das wichtigste", sagte Schinhan. So habe die Rumänien-Tochter im 1. Halbjahr 2006 bereits einen EBIT-Beitrag von 38 Prozent im OMV-Konzern geleistet, nach rund 30 Prozent im Jahr 2005. Für das gesamte laufende Jahr rechnet man mit einem Beitrag zwischen 35 und 40 Prozent - "die Tendenz ist gut", so Schinhan.

Der Umsatz der Petrom wird heuer voraussichtlich 3,5 bis 4 Mrd. Euro betragen. "Das kann auch mehr werden, das kommt darauf an, wie sich der Ölpreis weiter entwickeln wird."

Ein größerer Teil des Umsatzes soll künftig aus dem Gasverkauf stammen. Derzeit erziele man in Rumänien nur knapp über 40 Prozent des Weltmarktpreises für Gas, erklärte der Petrom-Vizechef. "300 Dollar pro 1.000 Kubikmeter kostet russisches Gas, die OMV bekommt nur 130 Dollar." Der niedrige Gaspreis sei nicht von der rumänischen Regierung verordnet worden, es handle sich vielmehr um Selbstbeschränkung, "sonst würden Firmen in Konkurs gehen". Bis 2009 wolle man aber auch in Rumänien einen Weltmarkt-Gaspreis haben.

Rumänien verbraucht derzeit 18 Mrd. m3 Gas pro Jahr (zum Vergleich: In Österreich sind es rund 8 Mrd. m3). Davon erzeugt die Petrom etwa ein Drittel, ein weiteres Drittel stammt von der staatlichen Romgas, und der Rest kommt aus Russland. Laut Schinhan könnte es für die Petrom auch Sinn machen, in Rumänien aus Gas Strom zu erzeugen, da Rumänien ein Strom-Defizit habe. "Das wäre eine Erweiterung der Wertschöpfungskette." Rumänien habe in Cernovoda auch ein Atomkraftwerk, und es werde überlegt, die Produktion dort von zwei auf vier Reaktoren zu erweitern - für die Petrom sei Atomkraft jedoch kein Thema, sagte Schinhan.

Verstärkte Förderung im Ausland

Bis 2010 will die Petrom die Öl- und Gasförderung in Rumänien auf 210.000 boe pro Tag stabilisieren. Die Gesamtproduktion im 1. Halbjahr 2006 betrug 37 Mio. boe. Die Reserven von rund einer Milliarde boe in Rumänien seien erst kürzlich von unabhängigen Experten bestätigt worden. Darüber hinaus sei geplant, auch im Ausland verstärkt zu fördern, vor allem im kaspischen Raum. "Russland ist auch sehr interessant für uns, und vielleicht in ein paar Jahren auch die Ukraine", sagte Schinhan.

Im Downstream-Bereich (Raffinerien, Marketing, Tankstellen) sieht der Investitionsplan bis 2010 Ausgaben in Höhe von 1,5 Mrd. Euro vor. Ende Juni 2006 hatte die Petrom 543 Tankstellen in Rumänien - die Anzahl ging gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 9 Prozent zurück, weil unrentable Standorte geschlossen wurden. Darüber hinaus betreibt die Petrom 156 Tankstellen in Moldawien, Bulgarien und Ungarn. Der Anteil am rumänischen Tankstellenmarkt beträgt derzeit etwa 26 Prozent, als Ziel werden 35 Prozent angepeilt. Die bestehenden 73 OMV-Tankstellen in Rumänien sollen auch künftig unter OMV-Flagge operieren - "das ist ist höchstwertige Marke in Rumänien", erklärte Schinhan. Die OMV-Tankstellen haben alle auch angeschlossene Viva-Shops. Die Zahl der "PetromV"-Tankstellen soll von derzeit 18 bis Jahresende auf 40 bis 41 steigen.

Konkurrenten

Starke Konkurrenten in Rumänien sind die heimische Rompetrol - an der die OMV bis zur Petrom-Übernahme beteiligt war - und der russische Lukoil-Konzern. Petrom hat nach eigenen Angaben eine Raffinerie-Kapazität von über 8 Mio. Tonnen, also deutlich mehr als Rompetrol (4,3 Mio. t) und Lukoil (2,5 Mio. t), aber Lukoil sei in Rumänien "sehr aktiv und sehr aggressiv", sagte Schinhan. (APA)

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