Auftragsrauch für Schifffahrtbranche

11. Oktober 2006, 15:22
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Noch nie wurden so viele Schiffe gebaut wie heute: Anfang August waren weltweit 5.386 Schiffe mit einem Gesamtwert von rund 264 Milliarden Dollar in Auftrag

Hamburg - Trotz des anhaltenden Booms in der globalen Schiffbauindustrie befürchten Experten einen Rückgang in der Branche durch drohende Überkapazitäten aus Fernost. Deutsche Werften stehen vor neuen Herausforderungen, um auf dem wieder enger werdenden Markt mithalten zu können, wie eine Studie der HypoVereinsbank und des Informationsdienstes Clarkson Research Services ergab.

Seit mehr als drei Jahren befindet sich die weltweite Schiffbauindustrie den Angaben zufolge im längsten und stärksten Boom aller Zeiten. Am 1. August 2006 seien weltweit 5.386 Schiffe mit einem Gesamtwert von rund 264 Mrd. Dollar in Auftrag gewesen. "Für den deutschen Schiffbau ist die Lage derzeit sehr gut", sagte der Leiter der HypoVereinsbank Global Shipping, Ingmar Loges. Bis August seien bei deutschen Werften die Auftragsbücher voll und insgesamt 210 Schiffe im Wert von 11,6 Mrd. Euro in Auftrag gewesen. "Die internationalen Schiffbauer und Schiffsausrüster können mit einer Vollauslastung für mindestens drei Jahre und Auslieferungspreisen auf Rekordniveau planen."

China wil Südkorea überholen

Allerdings würden die rasant steigenden Produktionskapazitäten in Fernost die hiesigen Werften mittelfristig unter Druck setzen. Die Staaten in Fernost werden der Studie zufolge durch den Bau neuer Werften und den Einsatz moderner Technologien ihre Produktivität weiter steigern. China strebe an, Südkorea bis 2020 als weltweit größte Schiffbaunation abzulösen.

Dadurch und durch zunehmende Kapazitäten in aufstrebenden neuen Schiffbaunationen wie Vietnam, Indien, Brasilien, Rumänien und der Türkei entstehe die Gefahr von Überkapazitäten. "Um dem Powerhouse Fernost auch künftig die Stirn bieten zu können, sollten die europäischen Schiffbauer noch enger kooperieren und strategische Allianzen bilden", sagte Loges.

Deutsche Werften und Zulieferer sollten demnach deutsche Schiffbautugenden wie hohe Qualität, Liefertreue und Flexibilität weiterentwickeln. Außerdem sollten sie Spezialsegmente stärken, die in Fernost vernachlässigt würden, wie Kreuzfahrtschiffe, kleine Schiffe und Spezialtonnage. (APA/AP)

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