Leitung des Kunstforums: Ingried Brugger folgt Klaus Albrecht Schröder

27. Juni 2000, 17:40

STANDARD-Interview mit der neuen Geschäftsführerin

Ein Jahrzehnt lang waren sie im Kunstforum (und auch privat) ein eingeschworenes Team, nun sind sie Konkurrenten (und getrennt): Auf Klaus Albrecht Schröder, seit einem Jahr Direktor der Albertina, folgt mit 1. Juli seine einst engste Mitarbeiterin als Geschäftsführerin des Kunstforums. Mit Ingried Brugger, eben ernannt, sprach Thomas Trenkler.

Wien - Aus dem Plan, das Kunstforum künftig mehr oder weniger als Dependance der Albertina zu führen, wurde nichts: Die Kooperation, die Klaus Albrecht Schröder, Direktor des Ausstellungshauses und seit einem Jahr Troubleshooter in der Graphischen Sammlung des Bundes, angedacht hatte, scheiterte aus politischen Gründen.

Kulturministerin Elisabeth Gehrer gestattete Schröder zwar, den Erfolg seiner Cézanne-Ausstellung (in diesem Frühjahr) auszukosten; aber sie machte ihm zugleich unmissverständlich klar, dass er nicht auf Dauer beide Häuser leiten könne. Mit der Bestellung eines Nachfolgers ließ sich Bank-Austria-Direktor Gerhard Randa Zeit. Doch am Dienstag, in der Generalversammlung des Vereins, wurde Ingried Brugger zur neuen Geschäftsführerin ernannt.

Mit der 40-jährigen Kunsthistorikerin aus Zell am See, die über Venezianismen in der Kunst nördlich der Alpen dissertierte, leitet erstmals in Österreich eine Frau ein Ausstellungsforum internationalen Zuschnitts. Ingried Brugger arbeitet für dieses bereits seit 1988 - und kuratierte u. a. die Themenschauen Kunst und Wahn (1997), Rot in der russischen Kunst (1998) und Das Jahrhundert der Frauen (1999). Derzeit ist eine von ihr konzipierte Arnulf-Rainer-Retrospektive zu sehen.

Standard: Schröder übernimmt das Kunstforum-Konzept - und will die Albertina mit Blockbustern wie Van Gogh und Toulouse-Lautrec wiedereröffnen. Wie wird sich das Kunstforum positionieren?

Brugger: Auch mit der Eröffnung des Museumsquartiers wird die Konkurrenz in Wien noch einmal ungleich größer. Da muss man die Nase vorne haben. Und natürlich nach wie vor in Blockbuster- Kategorien denken. Aber wir haben ein völlig anderes Profil als die Albertina, bei der die Schwerpunkte auf Alten Meistern und Arbeiten auf Papier liegen: die klassische Moderne, internationale Top-Themenausstellungen plus Österreich-Schwerpunkt. Ich werde zudem die Kunst nach 1960 akzentuieren - wie man an Arnulf Rainer sieht und an Adolf Frohner im Frühjahr 2001 sehen wird.

Standard: Kann sich das Kunstforum solche Ausstellungen mit nur rund 30.000 Besuchern überhaupt leisten?

Brugger: Ja - wenn man daneben Paul Cézanne bringt oder Pablo Picasso. Ab 7. September zeigen wir die Sammlung Bernard Picasso, konzentriert auf das Menschenbild. Das ist die einzige Sammlung im Besitz der Familie Picasso, die noch nicht abgelutscht ist. Die ganz junge Kunst zu zeigen wird noch ein wenig dauern, aber Francis Bacon oder Roy Liechtenstein ...

Standard: Diese Personalen sind bereits fixiert?

Brugger: Ich bin in Gesprächen. Fixiert ist das Programm bis Anfang 2002.

Standard: Von Schröder.

Brugger: Zum Teil. Malewitsch im Herbst 2001 war schon immer mein Projekt. Die Ausstellung wird die erste in Westeuropa von dieser Größe und Qualität sein. Ich zeige nicht nur Gemälde und Zeichnungen, sondern auch Architekturmodelle, Porzellanarbeiten und Kostüme. Für den nächsten Sommer war eine Stilllebenschau geplant, aber ich habe sie durch eine Miró-Ausstellung ersetzt, die das Spätwerk beleuchtet. Das hat mir in der Abfolge Cézanne-Picasso-Miró-Malewitsch besser gefallen. Nolde und die Südsee im Frühjahr 2002 haben Schröder und ich gemeinsam geplant.

Standard: Frauen gibt es überhaupt keine?

Brugger: Wenn man in Blockbustern denkt, ist es schwierig, eine Personale von einer Künstlerin zu machen.

Standard: Das heißt: Frauen sind zu wenig bekannt ...

Brugger: Auch das heißt es. Man muss Künstlerinnen aufbauen. Dazu habe ich mit dem Jahrhundert der Frauen einen, wie ich meine, wichtigen Beitrag geleistet. Eine Maria-Lassing-Ausstellung z. B. hätte ich gerne gezeigt - eben auch im Zusammenhang mit Rainer und Frohner. Aber es gab erst eine Lassnig-Personale.

Standard: Cézanne mit knapp 300.000 Besuchern ist die Latte, an der Ingried Brugger gemessen werden wird.

Brugger: Das Kunstforum hat 15 Jahre gebraucht, bis es für eine solche Ausstellung reif war. Solche Projekte liegen ja nicht auf der Straße, sie benötigen eine jahrelange Planung. Aber eines stimmt sicher: Cézanne hat uns international in eine ganz andere Liga katapultiert. Ich bin sicher, dass auch mir ein derart erfolgreiches Jahr gelingen wird - so bald wie möglich.

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