Wien als Ostzentrum für Generali-Konzern

12. Oktober 2006, 17:20
posten

Italiens Versicherungskonzern Generali stärkt den Standort Wien als Kompetenzzentrum für die Region Mittel- und Osteuropa. Wien ist künftig für das Ost-Asset-Management zuständig

Kiew - Die beiden Generali-Vorstände, Walter Steidl (Finanzen) und Werner Mörtl (Osteuropa), hatten bei der Pressereise nach Kiew keinen leichten Stand: Sie wollten – nachdem Noch-Generali-Chef Karl Stoss seine Teilnahme kurzfristig abgesagt hatte – über die diesjährigen sieben Neu-Akquisitionen in Serbien, der Ukraine und Bulgarien berichten, aber das Interesse der Journalisten konzentrierte sich auf die Frage: Wer wird Stoss-Nachfolger? Doch darauf gab es keine Antwort. Steidl: "Sie haben jemand anderen erwartet, aber wir leben in einer schnelllebigen Zeit und der Wechsel von Stoss (er folgt Leo Wallner als Casinos-Chef, Anm.) kam auch für uns überraschend."

Es wird nun wieder an Aufsichtsrat-Chef Dietrich Karner liegen, einen Nachfolger für Stoss zu suchen. Ob dabei eine Übergangslösung – nur für ein Jahr, zumal die Konzern-Spitze in Triest im Frühjahr 2007 selbst zur Verlängerung ansteht – oder eine längerfristige Lösung angestrebt wird, ist offen. Als möglicher Übergangskandidat wird in Wien der im Vorjahr pensionierte Generali-Vorstand Hans Peer (63) gehandelt, der nach wie vor Konsulent ist. Fix ist, dass die Generali ihre Ost-Töchter, die mittlerweile 31 Prozent zum gesamten Prämienvolumen (drei Mrd. Euro) beisteuern, Anfang 2007 in eine eigene Ostholding einbringen wird. Die unter dem Dach der Generali-Holding Vienna angesiedelte Generali-Cee-Holding soll die Aktivitäten in Österreich und den CEE-Ländern klarer abgrenzen.

An der CEE-Holding könnten sich laut Steidl auch Konzern-Töchter aus anderen Ländern beteiligen. Dadurch wäre die Kapitalbeschaffung für Zukäufe leichter, nachdem die Generali Holding Vienna selbst nicht mehr an der Börse notiert. Steidl geht davon aus, dass das CEE-Geschäft auch künftig von Wien aus gemanagt wird. Die Einbringung der Ost-Töchter in die CEE-Holding wird jedenfalls zum Buchwert (rund 500 Mio. Euro) erfolgen und es werden dabei keine stillen Reserven gehoben. Beschlossen wurde jüngst auch, dass die Wiener im Generali-Konzern das Kompetenzzentrum für das Asset-Management in Osteuropa sind. Wann immer eine Konzern-Tochter der Generali Aktien oder festverzinsliche Wertpapiere aus Osteuropa kaufen will, muss das künftig über Wien geschehen. Bisher war das Asset-Management in Triest, Köln und Paris konzentriert, wobei Wien an Köln hing.

Zuversichtlich ist Steidl, dass man sich noch heuer mit dem Betriebsrat über den Abbau von 390 Mitarbeitern einigt. Steidl: "Wir müssen mit den Kosten runter, aber niemand kann Kündigungen ausschließen und Standortgarantien geben." Die Generali hat bereits 2002/03 400 Mitarbeiter abgebaut und dafür 50 Mio. Euro locker gemacht. Steidl plant daher in der Bilanz Rückstellungen für den Personalabbau. (Claudia Ruff, Kiew, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2006)

Share if you care.