Die Bawag-Casinos-Connection

12. Oktober 2006, 17:44
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Im Umfeld des Skandals finden sich Geschäftsverbindungen über alle Parteigrenzen hinweg. Schlüsselfigur bei vielen der brisanten Deals ist Martin Schlaff

Wien/Jericho/Loutraki - Der umtriebige und überaus diskret agierende Wiener Unternehmer Martin Schlaff, der zweifelsfrei über allerbeste Politkontakte verfügt, war jahrelang "einer der größten Geschäftspartner" der Bawag, heißt es in der Gewerkschaftsbank. Wie groß genau, das unterliegt dem Bankgeheimnis. Noch engere Geschäftsbeziehungen wurden seitens der Bawag - "zumindest phasenweise" - nur noch mit Investmentbanker Wolfgang Flöttl gepflegt, der heute mit Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner vor der Anklage steht.

Der derzeit am intensivsten diskutierte Schlaff-Bawag-Deal ist die Übernahme und der spätere - ungewöhnlich teure - Weiterverkauf der bulgarischen Mobiltel an die Telekom Austria. Bei dem 1,6-Milliarden-Euro-Geschäft gibt es wie berichtet diverse Ungereimtheiten.

Das politisch vielleicht heikelste Elsner-Schlaff-Projekt war das im September 1998 eröffnete, aber heute geschlossene Kasino "Oasis" im palästinensischen Jericho im Westjordanland. Schlaff und Elsner sollen Casinos-Chef Leo Wallner seinerzeit persönlich von dem zu Beginn hoch profitablen Projekt überzeugt haben. Auch Wallner und Schlaff sind eng miteinander vertraut, wird im Umfeld des langjährigen Kasino-Bosses gerne erzählt. (Wallner tritt wie berichtet vorzeitig ab und übergibt an den derzeitigen Generali-Boss Karl Stoss). Die Bawag trat und tritt aber als De-facto-Hausbank der Casinos immer wieder als Financier für Projekte im Ausland auf - was weniger bekannt ist. Leo Wallner saß noch bis heuer im April im Aufsichtsrat der Bawag.

Griechische Verbindungen

Dieser engen Verbindung entsprang auch das Engagement des Glücksspielkonzerns in Griechenland. Ende 2003 engagierte sich die Gesellschaft Casinos Austria Greece mit zehn Prozent am Kasino in Loutraki, 80 Kilometer südlich von Athen. Loutraki ist Europas größter Glücksspielkomplex. Die Casinos investierten dort 100 Millionen Euro. Neben der Bank von Piraeus sind die anderen Eigentümer vermögende Privatinvestoren aus Israel, zu denen Schlaff den Kontakt hergestellt haben soll. Mit diesen Privatinvestoren haben sich die Casinos Austria zu einer Stimmenmehrheit von 86 Prozent syndiziert. 50 Prozent der Casinos Austria Greece gehören dem Konzern selbst, 50 Prozent gehören der MS Privatstiftung. Die Initialen MS stehen dabei für: Martin Schlaff.

Bis Jahresende 2006 soll überdies das neue "Grand Casino Beograd" eröffnet werden, für das die Casinos Austria im Dezember 2005 die erste Kasinolizenz für die serbische Hauptstadt bekommen haben. Im Finanzierungshintergrund dürfte erneut die Bawag stehen, was aber weder bestätigt noch dementiert wird. Als "Türöffner" soll wieder einmal Schlaff fungiert haben. Dem Betreiberkonsortium gehört auch das griechische Kasino Loutraki an. Investiert werden in Belgrad 30 Millionen Euro.

Stiftungs-Verflechtungen

Nicht geglückt ist in Serbien der Weiterverkauf des serbischen Mobilfunkbetreibers Mobtel von der Schlaff-Gruppe an die Telekom Austria. Hier war jedoch nicht die Bawag, sondern die ebenso glücklose Kärntner Hypo Alpe-Adria als Bank mit von der Partie.

Eine Verbindung zwischen Schlaff und Elsner über gemeinsame Vertraute gibt es im Übrigen bei den Privatstiftungen. In der im November 2004 errichteten "Birdie"-Privatstiftung von Elsner fungieren der Wiener Rechtsanwalt Harry Neubauer, Wirtschaftstreuhänder Michael Hason und Schlaffs Bruder Jam als Stiftungsvorstände. Neubauer und Hason sind auch Vorstände in Schlaffs Stiftung. Neubauer tritt überdies als Anwalt der israelitischen Kultusgemeinde auf. Schlaffs Vermögen wurde zuletzt auf 800 Millionen Euro geschätzt. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2006)

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    Gute Geschäftsfreunde: Martin Schlaff, Helmut Elsner und Leo Wallner vor dem geschlossenen Kasino in Jericho.

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