Schweizer Signal

Redaktion, 01. Oktober 2006 21:15

Das Einwanderungsmodell von Österreichs Grünen zeigt, dass man auch realistisch werden kann, ohne moralische Grundsätze aufzugeben - von Josef Kirchengast

Die Stimmen des Schweizer Referendums über ein verschärftes Asyl- und Einwanderungsgesetz waren noch nicht ausgezählt, da lagen am Sonntag die Parteiaussendungen von FPÖ und BZÖ schon auf den österreichischen Redaktionstischen. Beide berufen sich auf das Votum der Eidgenossen und wollen die Nationalratswahl zu einer Abstimmung über die Asyl- und Zuwanderungspolitik machen.

Die Schweiz wird nun eines der schärfsten Asylgesetze Europa bekommen. Ein Beispiel: Wer kein Identitätsdokument vorlegen oder innerhalb von 48 Stunden beibringen kann, wird nicht ins Asylverfahren aufgenommen, außer bei "entschuldbaren Gründen". Was solche sind, darüber entscheiden die Behörden. Dass jemand, der aus einem repressiven Staat flüchtet, ein gültiges Reisedokument besitzt, dürfte die Ausnahme sein. In vielen Ländern der Dritten Welt haben sehr viele Menschen überhaupt keine Identitätspapiere. Wie sollen sie die dann auch noch in kurzer Zeit beschaffen können?

Gegner der Regierungsvorlage in der Schweiz hatten denn auch ein Hauptargument: Das neue Asylgesetz sei schlicht inhuman und erinnere fatal an die Flüchtlingspolitik des Landes im Zweiten Weltkrieg, als viele Juden an den Grenzen abgewiesen wurden, was meist ihr Todesurteil bedeutete. Dieses Argument aber wog offenbar gering gegenüber den täglichen Bildern afrikanischer Bootsflüchtlinge, die eine Bedrohung der europäischen Normalität im Allgemeinen und des Wohlstandsmodells Schweiz im Besonderen suggerieren.

Hier liegt der Kernpunkt des Problems. Europa ist so begehrt bei Flüchtlingen wie Migranten, eben weil es Europa ist: wegen seines Wohlstands, aber auch wegen seines Wertekodex - was eng miteinander zusammenhängt. Zugleich ist Europa aber noch weit von einer gemeinsamen Antwort auf das Asyl- und Migrationsproblem entfernt. Das zeigte sich soeben wieder beim Treffen der EU-Innen- und Justizminister in Tampere. Versuche, das Einstimmigkeitsprinzip aufzulösen und durch Mehrheitsentscheidungen zu einer gemeinsamen Asyl- und Einwanderungspolitik zu kommen, scheitern nach wie vor an breitem Widerstand. Viele Länder wollen hier keine Souveränitätsrechte abtreten, weil sie meinen, mit den Problemen ohne Rücksicht auf andere Staaten leichter zurechtzukommen.

Ein kurzsichtiger Irrglaube, wie die Realität zeigt. Aber die praktische Schwäche Europas erlaubt es diesem Irrglauben, sich so hartnäckig zu halten. So wie sie es Populisten erlaubt, mit dem Thema Asyl und Zuwanderung auf Stimmenfang zu gehen. Wenn der wieder einmal "unerwartet" erfolgreich ist, hebt bei den aufrechten Demokraten das große Wehklagen an. Immerhin zeigen beispielsweise Österreichs Grüne mit ihrem Einwanderungsmodell, dass man auch realistisch werden kann, ohne gleich moralische Grundsätze aufzugeben. Ohne starken europäischen Rückenwind wird das aber kaum reichen, Signalen wie jenem aus der Schweiz gegenzusteuern.(DER STANDARD, Printausgabe, 25.09.2006)

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anna bell
25.09.2006 18:24

Inwiefern unterscheidet sich das grüne Punktesystem für die Auswahl von Einwanderern grundsätzlich vom Schweizer Modell?
Die Grünen fordern schnelle Asylverfahren. In der Schweiz wird das jetzt verwirklicht. Da die meisten Asylwerber ohne Papiere kommen, können in Zukunft die meisten Asylverfahren in der Schweiz innerhalb von 48 Stunden abgeschlossen werden.

Oder steht der Hinweis auf die österreichischen Grünen nur da, weil gerade Wahlkampf ist?

kraeutrpolizei
25.09.2006 14:26

okay, dann machen halt auch wir die grenzen dicht.

nur was is die alternative?

imho hat europa einfach die pflicht sich um die zustände in afrika zu kümmern. nur mir kommts so vor als würden die meisten leute dem kontinent gern beim sterben zusehn...

vorname nachname1
25.09.2006 14:42
pflicht?

woher haben sie diese irre meinung? es gibt leider (schon immer) elend in der welt. deshalb kann man auch nicht alle aufnehmen denen es zuhause nicht passt/gefaellt etc. schon aufgefallen das sich afrikaner liebend gerne gegenseitig masserkrieren? man kann also nicht alle schuld den weissen in die schuhe schieben.

peter56
 
25.09.2006 16:30
Afrika war jahrhundertelang versklavt, ausgebeutet,

erst als es begann kein Geschäft mehr zu sein, wurde der Kontinent langsam und unvorbereitet in die freiheit entlassen.
Und zwar von europäischen Kolonisten...
Wie wärs mit GESCHICHTE ?

Mike 23
25.09.2006 16:46
Wo waren denn bitte die österreichischen Kolonien?

Aber im Übrigen bin auch ich der Meinung, dass wir eine Verantwortung allen Menschen gegenüber haben.
Mit Einreiseerleichterungen hat das aber zuletzt zu tun. Zuerst steht die Hilfe vor Ort.
Michael

politisch verfolgt
25.09.2006 18:24
na zum beispiel

franz josefs-land in der antarktis.
die von dort emmigrierten pinguinie haben sich aber vorbildlich in schönbrunn integriert.

peter56
 
25.09.2006 17:52
Machen sie sich gerne lächerlich ?

Oder glauben Sie allen Ernstes, daß nicht alle Europäer, auch die, welche nicht am Kolonialismus beteiligt waren, Nutznießer der Ausbeutung Afrikas waren ?
Ich habe auch weder für Einreiseerleichterung plädiert, noch bin ich gegen Hilfe vor Ort. Im Gegenteil.
Aber bei der Behandlung und Beurteilung von Fremden aus diesen Regionen (und allen anderen Gegenden der Welt) bin ich für Respekt und Gleichbehandlung aller, die bei uns sind.
Weder sollen sie Inländern oder Fremden aus westlichen Ländern gegenüber bevorzugt werden, noch benachteiligt.
Alles klar ?

der postbote
25.09.2006 16:02
abgesehen davon, dass es jeder mensch als pflicht verstehen sollte, anderen unabhängig von ihrer herkunft zu helfen

vergessen sie darauf, dass wir von dem elend in afrika profitieren und in vielen fällen aktiv an der beibehaltung der erbärmlichen zustände mitwirken.

vielleicht werden sie eines tages in not geraten und ihre mitmenschen werden lapidar feststellen. "selber schuld"...

boa vista
25.09.2006 15:06

ihre aussagen sind so dumm wie ihr nickname einfallslos ist!
"schon aufgefallen das sich afrikaner liebend gerne gegenseitig masserkrieren?" (sic!)
natürlich tun sie das "liebend" gerne. alle afrikaner tun nichts anderes, als sich täglich gegenseitig umzubringen. nur die weißen, angefangen von den kreuzzügen, über die inquisition, den holocaust bis zum irakkrieg usw., haben sich alle ganz, ganz lieb!

Mork vom Ork
25.09.2006 15:03

a) wenn man für den Zustand verantwortlich ist, ist man auch in der Pflicht diesen zu beheben.

b) bin ich humanist genug um eine gewisse Verantwortung der Menschheit für die schwachsten unter sich zu sehen. das ist das einzige was uns noch von tieren unterscheiden KÖNNTE. Du hast mich gerade daran zweifeln lassen.

c) deine Lebensphilosophie umgesetzt wären wir Österreicher vor ca. 50 Jahren mit 3,4 Atombomben in den Äther gebombt und nicht mittels Marshallplan in die lage versetzt worden eines der reichsten Länder der Welt zu werden.

janosch
25.09.2006 15:59

danke für diese zeilen!

hinzufügen möchte ich noch folgendes:

woher kommen denn die waffen, wenn sich afrikaner gegenseitig umbringen?
wer bereichert sich denn auf kosten der afrikaner (erst vor kurzem hat ein europäischer frachter europäischen giftmüll in afrika entladen)

don calvo
25.09.2006 15:26
bitte konkret werden

sagt mir doch bitte mal einer (du z.b) wie dein einwanderungs und asylmodell aussieht?

es gibt zig-millionen menschen die gerne in europa leben würden. die meisten davon wären aufgrund mangelnder ausbildung nicht in der lage sich hier selbst am leben zu erhalten, von der verdrängung am arbeitsmarkt, der ja ohnehin nicht allen menschen arbeit bieten kann gar nicht zur reden.
was also sollte deiner meinung nach geschehen?
wie konkret würdest du die verantwortung wahrnehmen.
und wie sollte der staat die zusätzlichen ausgaben finanzieren???

man kann afrika nicht mit deutschland/österr. nach WKII vergleichen. ein marschallplan für afrika wäre wirkungslos.

Max Meier
25.09.2006 14:42

Man kümmert sich aber irgendwie nicht richtig um die Zustände in Afrika, wenn man in Europa Grenzen öffnet oder schließt.

Mit solchen Aktionen kümmert man sich primär um Zustände in Europa.

Mork vom Ork
25.09.2006 15:05

das eine hat doch nichts mit dem anderen zu tun. Man hilft niemandem mit einer open-doors-policy. Schlichtweg müsste sich das Egoisten-Nr.1-Land Österreich einmal dazu bequemen auch ein wenig Geld in die Entwicklungshilfe zu stecken um ein wenig Industrie und Wirtschaft in der dritten Welt aufzubauen.

bixente uhudla
 
25.09.2006 17:53

vollkommen richtig...

natürlich soll denen die es brauchen politrisches asyl gewährt werden,aber darüber hinaus nutzt der massenexodus aus wirtschaftlichen gründe von afrika richtung europa weder europa noch afrika...

um afrika zu helfen bedarf es eines umdenken in sachen entwicklungs(hilfe)politik in den industrienationen...es bedarf einer rigurosen finanziellen hilfe zur selbsthilfe die nicht an bedingungen geknüpft ist,die von großkonzerenen gestellt werden...

wenn man afrika helfen will,wird's dabei fürs erste für den westen nichts zu verdienen geben ,erst in einigen jahrzehnten könnte die ganze welt dann aber nachhaltig von einem wirtschaftlich,politisch und sozial stabilen afrika profitieren

Max Meier
25.09.2006 15:19

So etwas halte ja auch ich für einen guten Vorschlag.

Einwanderung mindert allenfalls die Wirkung des eigentlichen Problems, während "Entwicklungshilfe", bzw. der Aufbau eines dem unseren gleichenden Wirtschaftssystems in den betroffenen Ländern die Ursache selbst an der Wurzel packen würde.

standardised
 
25.09.2006 15:25
hinzuzufügen wäre

dass die sogenannten "remittances" (rücküberweisungen von auswanderern in ihre heimat) nach schätzungen mittlerweile die weltweiten ausgaben für entwicklungshilfe übersteigen. von den kanälen, in denen entwicklungshilfegeld mitunter versickert ganz zu schweigen.

buresch
25.09.2006 14:23
Eigentlich sind die diversen "Einwanderungsmodelle" der heimischen Links-Grünen ohnehin nur Makulatur

um damit Bauernfängerei zu betreiben.
Es gibt keine offizielle Einwanderungsbehörde samt Regulativ (ein Einwanderungswilliger wüßte nicht einmal, wo er im Ausland seinen Einwanderungsantrag abgeben sollte und an wen adressiert). Reale Einwanderung findet hierzulande über das Asylwesen oder Familiennachzug statt. Einmal im Land und ohne Papiere (negativer Bescheid hin oder her) wird aus dem Asylanten (den man ohnehin nicht abschieben darf oder kann,flugs ein Migrant. Ist für den Asylmigranten hundertpro sicher, kostet ihn nichts und spart Papiere, Stempel und Gebühren. Von Zeit zu Zeit wird halt (in Ö. dzt. noch nicht) legalisiert und flugs wird der Illegale zum Legalen. Dumm wäre, wer hier den Bauernfänger-Einwanderungsweg beschreiten wür

theEdge1983
25.09.2006 15:29
Und die "Politik" von FPÖ und BZÖ

ist für Sie keine Bauernfängerei ("300.000 Ausländer außer Landes schaffen...")

Mork vom Ork
25.09.2006 15:09

sorry, aber du hast keine Ahnung wovon du schreibst, sondern dir nur ein paar Vorurteile zu eigen gemacht..

Du bist in Österreich schneller und brutaler abgeschoben als du Asyl aussprechen kannst. Wir hatten gerade einen Fall in dem der Verwaltungsgerichtshof einen negativen Bescheid als zu falsch aufgehoben hat, aber oje - der Flüchtling wurde vorher schon von der Beörde abgeschoben. Das ist kein einzelfall, sondern die Regel. Die gerichtlichen Kontrollinstanzen sind wertlos, weil die Verwaltungsbehörden ohnehin tun was sie wollen.

Countblue
25.09.2006 13:33
Die schweiz

ist auf demselben Niveau wie in den 30er Jahren.

Das ist die Realität.

Bin gespannt wie lange es dauert bis auch andere Dinge in ganz Europa aus dieser Zeit wieder kommen.

Schöne Scheisse.

ARNOLD von WINKELRIED
25.09.2006 15:08

Gewissen Postern ist heute der Verstand verloren gegangen!

Katoster
25.09.2006 14:17

Haben sie überhaupt das neue Gesetz genau durchgelesen? Eine Behauptung aufstellen - es sei wie in den 30er Jahren - kann jeder, aber beweisen müssen Sie es noch - sonst ist Ihre Aussage nichtssagend.

Max Meier
25.09.2006 14:43

Und sind Sie sich sicher, dass dazu überhaupt schon ein "neues Gesetz" existiert?

Katoster
25.09.2006 15:29

Dies wird nun von den Behörden umgesetzt. Where's the matter?

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