Porsche-Chef Wiedeking kritisiert Managerkollegen

8. Oktober 2006, 18:04
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Hoher Gewinn könne nicht einziges Ziel eines Unternehmens sein - Profitable Produktion auch in Deutschland möglich

Hamburg - Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat das Verhalten vieler Managerkollegen bei Banken und Versicherungen scharf kritisiert. "Es ist nicht nachzuvollziehen, wenn Konzerne Rekordgewinne melden und zugleich ankündigen, dass sie Tausende von Arbeitsplätzen streichen", sagte er dem "Spiegel". Ein möglichst hoher Gewinn könne doch "nicht das einzige Ziel eines Unternehmens sein". Es müsse zu denken gebe, wenn Menschen vielen Wirtschaftsführern und Politikern keinerlei Glaubwürdigkeit mehr zubilligten.

Diese Entwicklung könne dazu führen, dass die ganze Gesellschaft instabil werde, sagte der Porsche-Chef und verwies auf die jüngsten Wahlergebnisse von Mecklenburg-Vorpommern, wo Rechtsextremisten erfolgreich waren, und Berlin, wo die beiden großen Volksparteien nur gut 50 Prozent der Stimmen erhalten hatten. "Ich sehe in dieser Entwicklung ein Warnzeichen für die Gesellschaft."

Außerdem forderte der Porsche-Vorstandsvorsitzende die Politik auf, den unfairen Standortwettbewerb innerhalb Europas zu unterbinden, der zur Verlagerung von Arbeitsplätzen führe. "Manche Länder könnten sich Niedrigsteuern leisten, weil sie von der EU und damit vom Nettozahler Deutschland Geld überwiesen bekommen. So finanzieren wir den Abbau unserer eigenen Arbeitsplätze mit", sagte Wiedeking.

Erstmals nahm der Porsche-Chef, der zugleich Mitglied im Aufsichtsrat des VW-Konzerns ist, auch zu den Sanierungsplänen des Wolfsburger Autokonzerns Stellung. "Für mich steht fest, dass es eine Vollbeschäftigung in Wolfsburg geben muss", sagte Wiedeking. Das Stammwerk, mit dem das Unternehmen einmal gegründet wurde, müsse ausgelastet sein. Die Auto 5000 GmbH, die den Touran baut, zeige doch, dass man hier zu Lande profitabel produzieren könne. (APA/AP)

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