HP-Chef Hurd hat von Spionage gewusst

1. Oktober 2006, 10:21
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Will aber Bericht über Bespitzelung von JournalistInnen nicht gelesen haben - Weitere Rücktritte werden erwartet

Die Spionage-Affäre rund um den Computerhersteller Hewlett-Packard zieht immer weitere Kreise. So hat nun Firmenchef Patrick Hurd im Rahmen einer Pressekonferenz eingestanden, dass er von der Untersuchung und ihrem groben Ablauf gewusst hatte. Auch hat er persönlich die Versendung einer gefälschten Mail genehmigt, die JournalistInnen austricksen sollte.

Keine Details

Allerdings sei er nicht über genaue Details informiert gewesen, einen detaillierten Untersuchungsbericht habe er zwar per Mail erhalten, allerdings nicht gelesen. Dies sei ein Fehler gewesen, gestand Hurd vor den JournalistInnen, Fragen zu der Causa wollte er trotz dieser Einsicht zum derzeitigen Zeitpunkt nicht beantworten.

Kongress

Hurd muss sich wegen den Vorgängen in den kommenden Tagen vor einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses verantworten. Hintergrund ist eine von HP beauftragte Bespitzelung von HP-MitarbeiterInnen und JournalistInnen, um herauszufinden, wie der Inhalt eines Board-Meetings an die Öffentlichkeit gelangt ist. Unter anderem wurde dabei sogar versucht Überwachungssoftware auf dem Rechner eines CNET-Mitarbeiters zu platzieren.

Andeutungen

Was im Ausschuss zur Sprache kommen könnte, deutet Hurd derzeit nur an. Einige der vom mit der Klärung der Causa beauftragten Anwaltsbüro Morgan Lewis dokumentierten Vorgänge seien für ihn äußerst besorgniserregend gewesen, so Hurd. Die Untersuchung an sich hält er aber im Interesse des Unternehmens für gerechtfertigt, deren Methoden freilich jedoch nicht.

Daten

Offen bleibt wie weit Hurd über die Weitergabe von persönlichen Daten von HP-MitarbeiterInnen an das beauftragte Detektivbüro informiert wurde. So wurden etwa Sozialversicherungsnummern dazu benutzt, um bei Telefonunternehmen an Informationen über die Bespitzelten zu kommen.

Rücktritte

Dem unlängst erfolgten Rücktritt der Aufsichtsratvorsitzenden Patricia Dunn könnten schon bald weitere folgen, dies berichtet zumindest CNET in Berufung auf dem Unternehmen nahe stehende Kreise. So soll etwa Kevin Hunsaker, zuständig für Ethik-Fragen, schon bald seinen Sessel räumen, auch der HP-Beauftragte für interne Untersuchungen, Anthony Gentilucci, wird das Unternehmen wohl schon bald verlassen. (red)

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    HP-CEO Mark Hurd hat deutlichen Erklärungsbedarf

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