Prügel-Videos am Handy bei Jugendlichen im Trend

3. Oktober 2006, 09:15
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Jungen stärker von dem Problem betroffen als Mädchen - 88 Prozent haben zumindest davon gehört

Das Versenden von Gewaltvideos über Handys liegt bei Jugendlichen immer mehr im Trend. Wie erste Ergebnisse der JIM-Studie 2006 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS) zeigen, haben 88 Prozent der Jungen und 84 Prozent der Mädchen mit eigenem Mobiltelefon schon von solchen Filmbotschaften gehört. Bei den 12- bis 13-Jährigen sind es insgesamt 80, bei den 18- bis 19-Jährigen 88 Prozent.

Trend kommt nach Europa

Schon jeder dritte Jugendliche mit Handy kennt Freunde, die bereits Erfahrung mit Gewalt- und Pornovideos auf dem eigenen Mobiltelefon haben. Sieben Prozent der Befragten waren selbst Empfänger solcher Nachrichten. "Das Thema ist vor etwa zwei, drei Jahren aufgekommen. Zunächst gab es Berichte darüber aus dem Ausland, dann verbreitete sich der Trend auch in Deutschland", erklärt Thomas Rathgeb, Leiter des MPFS, im pressetext-Gespräch.

Aufklärung für die Eltern

Laut Studie sind Jungen stärker von dem Problem betroffen als Mädchen. "Wir haben zwar noch keine genauen Auswertungen dazu, aber Jungs sind grundsätzlich etwas mehr Technik-affin bzw. sehen und spielen auch mehr Games mit derlei Inhalten", meint Rathgeb. Dennoch sei das Thema durchaus auch den Mädchen bekannt. Besonders wichtig sei es nun, Eltern aufzuklären, damit diese infolge mit ihren Kindern das Problem diskutieren. "Viele Erziehungsberechtigte wissen noch nicht einmal, dass es so etwas wie Gewaltvideos auf Handys gibt. Wir müssen in erster Linie die Eltern für dieses Thema sensibilisieren", sagt Rathgeb gegenüber pressetext.

Auf die Bildung kommt es an

Das Versenden von Gewaltvideos zieht sich durch alle Bildungsschichten, sei aber bei Jugendlichen mit geringerer formaler Bildung deutlich häufiger. 17 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal bemerkt zu haben, wie Prügeleien mit dem Handy mitgefilmt wurden. Beide Geschlechter erzählen mit ähnlich starker Intensität von derlei Geschehnissen. Aufgeschlüsselt nach Bildungsgrad hat jeder zehnte Gymnasiast und jeder vierte Hauptschüler schon das Filmen von Gewalttaten mitverfolgt.

Bindung zum Handy

Insgesamt zeigt sich eine sehr enge Einbindung des Mobiltelefons in den jugendlichen Alltag. 92 Prozent der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Handy. Die am stärksten genutzte Funktion ist das Verschicken von SMS. Textnachrichten kommen bei den Kids noch vor dem Telefonieren selbst. Zunehmend wichtig wird auch das Fotografieren mit dem Handy.

Die JIM-Studie ist eine jährliche Untersuchung, die bereits zum neunten Mal das Medienverhalten von Teenagern in Deutschland unter die Lupe nimmt. Im Zeitraum von Mai bis Juni 2006 wurden rund 1.200 Telefoninterviews zu Medienausstattung, -umgang und Informationsverhalten der 12- bis 19-Jährigen durchgeführt. Die komplette Studie soll Anfang Dezember veröffentlicht werden.(pte)

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