EU genehmigt Fusion Abertis-Autostrade

12. Oktober 2006, 14:20
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Grünes Licht für Mega-Zusammenschluss in der Autobahnbranche - Weltgrößter Mautstreckenbetreiber entsteht

Brüssel - Die EU-Kommission hat am Freitag der umstrittenen Mega-Fusion der beiden Autobahnbetreiber Abertis und Autostrade zugestimmt. Durch den Zusammenschluss der spanischen Abertis mit ihrem italienischen Konkurrenten entsteht der weltgrößte Mautstreckenbetreiber und das weltgrößte Infrastruktur-Konzern mit einem Marktwert von etwa 25 Milliarden Euro. Börsianer zeigten sich erfreut über das grüne Licht aus Brüssel: Die Aktien beider Konzerne legten im Verlauf um mehr als ein Prozent zu, gaben aber zu Handelsschluss ein Teil der Gewinne wieder ab.

Autostrade war auch in Österreich aktiv. Den Italienern gehörte der Mautbetreiber Europpass, der die Lkw-Maut abwickelt. Mittlerweile befindet sich Europpass im Besitz der staatlichen österreichischen Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag.

Keine Einwände

Wie die Kommission erklärte, hat sie die Präsenz weiterer Wettbewerber in Autobahnmarkt sowie nicht vorhandene Einwände von dritter Seite zur Zustimmung bewegt. Die Konzerne und Italiens Regierung begrüßten die EU-Entscheidung. "Wir sind damit zufrieden", sagte Infrastrukturminister Antonio Di Pietro. Die Regierung habe die Fusion an sich nie in Frage gestellt. Vielmehr sei über den automatischen Transfer der Lizenzen diskutiert worden. Darüber werde auch weiterhin gesprochen, betonte Di Pietro. Angesichts der weiterhin kritischen Haltung der italienischen Regierung bewerteten Analysten die EU-Entscheidung zurückhaltend: "Es ist ein positiver Schritt, aber es löst das Problem nicht", sagte einer.

Anfang September hatte sich die Regierung in Rom noch gegen die Fusion ausgesprochen und ihre Haltung damit begründet, dass die spanische Baufirma ACS ein Hauptaktionär des fusionierten Unternehmens sei. In Italien untersagt ein Dekret Bauunternehmen die Beteiligung an Straßenbetreibern. Damit soll verhindert werden, dass diese Baufirmen bei der Auftragsvergabe bevorzugt werden. Kritiker hielten diese Begründung für einen Vorwand und warfen dem Land Protektionismus vor. Die EU-Kommission hatte Italien deswegen verwarnt.

Abertis-Aktien schlossen in Madrid 0,7 Prozent höher bei 20,35 Euro. Die Papiere von Autostrade lagen bei Börsenschluss in Mailand rund ein Prozent im Plus bei 23,66 Euro. (APA/Reuters)

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