Kunst in die Regierung? Unbedingt!

24. Jänner 2007, 13:41
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Antwort von Rüdiger Wischenbart auf die Forderung von MAK-Chef Peter Noever und Rektor Gerald Bast nach einer "kunstpolitischen Offensive" - Kommentar der anderen

Ich bin dafür! Echt! Wir brauchen endlich wieder ein richtiges Kunstministerium. Mehr Geld für Kunst und Kultur sowieso. Einen Nobelpreis für den Film auch, und viele Awards of the Year! Und eine Nationalstiftung! Ja? Da komme ich ganz schnell ins Stocken. Erstens, weil schon die 'Chefsache' (Viktor Klima) gezeigt hat, dass eine Zentralisierung der Kunstkompetenz eine sehr zwiespältige Angelegenheit ist. Zweitens weil es politisch in Sachen Kunst und Kultur um ganz andere Dinge geht.

Was wir an Kunst oder Filmen sehen, an Büchern lesen oder an Musik hören und sammeln, wird viel stärker durch scheinbar abstrakte, weit entfernte Entscheidungen über neue Technologien und deren Verbreitung, über Mehrwertsteuersätze, Urheberrechtsnovellen oder Zusammenschlüsse von Medienunternehmen geprägt als durch die Vergabe von Subventionen. Die politische Debatte, wie sie von Parteien und öffentlichen Einrichtungen geführt wird, hat diesen Wandel noch nicht einmal bemerkt. Immer noch werden entweder reine Subventionsdebatten oder Steuerungsphantasien oder eine Kombination aus beidem gepflegt.

Der Staat kann nicht die Zeiten als eine Art Oberkontrolleur anhalten, sondern sollte sinnvolle Rahmenbedingungen schaffen, also entsprechende Budgets bereit stellen und dort regelnd eingreifen, wo fragile Strukturen im Veränderungsdruck unter die Räder zu kommen drohen oder Lobbyistengruppen die Gewichte verschieben.

Wozu ich mir deshalb kulturpolitische Aussagen wünschte, wären Themen wie diese:

  • Welche Förderoffensive für junge Talente und deren Ausbildung in Kunst, Musik oder Literatur geplant ist;


  • Wie beim aktuellen Streit ums Urheberrecht zwischen den Interessen der Medienindustrie und dem freien Zugang zu kulturellen Werken und Informationen gewichtet wird;


  • Wie zu verhindern ist, dass bald jeder PC oder Internetanschluss - als wichtiger Zugang zur Kultur - mit zusätzlichen Gebühren belastet wird;


  • Wie die Digitalisierung (alter wie neuer) Werke als öffentliches Schlüsselprojekt vorangetrieben und beworben wird;


  • Wie sich kulturelle Einrichtungen - angefangen beim ORF - öffnen für die Lebenswirklichkeiten und kulturelle Vielfalt in diesem Land. Die teils sehr witzige Ausländer-Comedy "Unkürrekt" gab es ein paar Monate lang im Spätabendprogramm von ATV plus, und seither ist österreichisches Fernsehen wieder eine rein 'weiße' Angelegenheit.
  • (DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.9.2006)
    Noever und Bast:
    "Ein Mandat für die Kunst"
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