Bank betont: Kein Geld vom Mobilkom-Deal

19. Oktober 2006, 14:37
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Bawag war nur an der "Zwischenholding" beteiligt, über die der Kauf und der Verkauf abgewickelt wurden

Wien - Das Rätsel um die "verschwundenen" 250 Bawag-Millionen aus dem Verkauf der Mobilfunkgesellschaft Mobiltel an die Telekom Austria könnte sich auf überraschende Weise lösen, schreibt die Tageszeitung "Die Presse" in ihrer Wochenendausgabe: Es gibt sie möglicherweise gar nicht. Am Freitag seien Hinweise darauf aufgetaucht, dass die Bawag ihre Mobiltel-Anteile - wie auch der Industrielle und Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus - nur treuhändig gehalten hat.

Der stellvertretende Bawag-Generaldirektor Stephan Koren bestätigte der "Presse", dass die Bank "am eigentlichen Unternehmen" nicht beteiligt war, sondern nur an der "Zwischenholding", über die der Kauf und der Verkauf abgewickelt wurden.

Aus der Zwischenholding (die jetzt noch bestehende Mobiltel Holding in Wien) sei die Bawag ausgestiegen, als der Kredit für die Übernahme des bulgarischen Mobilfunkunternehmens zurück gezahlt war. Die Bawag hatte den Deal zur Gänze mit einem Kredit finanziert.

Kauf im Jahr 2002

Die bulgarische Mobilfunkgesellschaft Mobiltel war 2002 von der eigens dafür gegründeten Mobiltel Holding (Eigentümer: Bawag, Taus, Herbert Cordt und die MS-Privatstiftung des Unternehmers Martin Schlaff) mit einem Kredit der Bawag um knapp 800 Mio. Euro gekauft und 2005 um gut das Doppelte an die Telekom Austria weiterverkauft worden. Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis - immerhin etwas mehr als 800 Mio. Euro - ist wegen der Treuhandlösung wahrscheinlich zum überwiegenden Teil an die Schlaff-Gruppe gegangen. Ein Sprecher der Schlaff-Gruppe verweigerte dazu auf Anfrage der "Presse" jeden Kommentar.

Bisher war man davon ausgegangen, dass die Bawag als 30-Prozent-Eigentümer aus dem Deal annähernd 250 Mio. Euro lukriert hat. Die Nationalbank hatte dieses Geld in den Bilanzen der Bank bei einer "Zwischenprüfung" im heurigen Sommer aber nicht "gefunden".

Am Freitag hatte sich Josef Taus (der offiziell 15 Prozent der Mobiltel hielt) zu Wort gemeldet und in einem Interview erklärt, er sei nie an der Mobiltel beteiligt gewesen, sondern habe die Anteile nur treuhändig für Schlaff gehalten. Der Mobiltel-Deal sei ausschließlich ein Schlaff-Geschäft gewesen.

Taus noch mit 15 Prozent beteiligt

An der Mobiltel Holding, die seit dem Vorjahr ein reiner Firmenmantel ist, ist Taus laut Firmenbuch immer noch mit 15 Prozent beteiligt (den Rest hält Schlaffs MS Privatstiftung), heißt es. Das habe aber offenbar nicht viel zu sagen. Denn bis zum Vorjahr war auch die Bawag als 30 Prozent-Eigentümer geführt worden. Treuhändern steht bei derartigen Deals natürlich nicht der prozentuelle Anteil am Geschäft zu, sondern nur eine Provision für die Treuhandschaft. Wie hoch diese war, wollten die Beteiligten nicht sagen. Gerüchte, dass auch der damalige Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner an der Transaktion "mitgeschnitten" habe, bestätigt Koren nicht: "Wir haben keine Indikationen dafür gefunden".

Die Telekom hätte die Mobiltel übrigens wesentlich günstiger haben können: 2003 war sie ihr von der Mobiltel-Holding um 1,25 Mrd. Euro angeboten worden. Telekom Eigentümer ÖIAG hatte den Kauf aber dem Bericht zu Folge untersagt. (APA)

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